ArchivDeutsches Ärzteblatt38/1997Herpes Zoster - Symptomatologie, demographische Daten und prognostische Faktoren: Kein überraschendes Ergebnis

MEDIZIN: Diskussion

Herpes Zoster - Symptomatologie, demographische Daten und prognostische Faktoren: Kein überraschendes Ergebnis

Dtsch Arztebl 1997; 94(38): A-2420 / B-2070 / C-1799

Zöbe, Andreas

Zu dem Beitrag von Prof. Dr. med. Peter Wutzler, Priv.-Doz. Dr. med. Dr. med. habil. Wolfgang Meister in Heft 17/1997
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LNSLNS Die offensichtlich mit hohem Aufwand durchgeführte Studie liefert statistisch abgesicherte epidemiologische Daten über den Verlauf des Herpes Zoster und bietet prognostische Indikatoren für das Auftreten der postzosterischen Neuralgie (PZN). Das Ergebnis überrascht den mit der Klinik des Herpes Zoster Vertrauten nicht. Die Empfehlung zum Einsatz einer virostatischen Therapie mit Hilfe des erarbeiteten ScoreSystems ist sicher hilfreich und sorgt für einen kritischeren Einsatz als bisher. Weitere Folgerungen werden aus dem Datenmaterial nicht abgeleitet, das ist schade und entspricht nicht dem derzeitigen Kenntnisstand. Daß die virostatische Therapie statistisch signifikant gegenüber dem unbehandelten Therapiearm die PZN vermindert, ist, wie erwähnt wurde, hinreichend belegt. Leider verliert sich dieser Effekt bei Aciclovir, wenn man die Kollektive nach einem Jahr nochmal untersucht. Ob die neuen Substanzen Famciclovir oder Brivudin Vorteile haben, ist noch nicht hinreichend gesichert.
Für den Risikopatienten beim Auftreten einer schweren PZN ist jedoch entscheidend, daß er so früh wie möglich einer gezielten schmerztherapeutischen Behandlung (zum Beispiel Nervenblockaden) beim Spezialisten zugeführt wird. Vertraut man bei diesen Patienten zu lange auf die virostatische Therapie, was der Artikel ja noch fördert, verschlechtern sich die Chancen für den Einsatz von Nervenblockaden auf Grund der Schmerzfixierung in ganz erheblichem Maße! Das bisher übliche Verfahren, den Patienten in eine Schmerzambulanz zu überweisen, wenn die anderen Verfahren versagt haben, ist wenig hilfreich und verschließt ihm eine zu Beginn der Erkrankung wirksame Therapie. Darauf hinzuweisen hätte die eigentlich wichtige Erkenntnis dieser Studie sein können, vielen Patienten würde ein Leben mit Schmerzen erspart.


Dr. med. Andreas Zöbe
Hautarzt und Anästhesist
Türkeistraße 11 · 90518 Altdorf

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