ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2010Gymnasium und Internat im Stift Neuzelle: Barockjuwel im tiefen Osten

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Gymnasium und Internat im Stift Neuzelle: Barockjuwel im tiefen Osten

Dtsch Arztebl 2010; 107(24): A-1219 / B-1073

Bühring, Petra

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Fotos: Rahn Dittrich Group
Fotos: Rahn Dittrich Group

Im historischen Ambiente einer barocken Kloster- anlage können Jugendliche Ruhe zum Lernen finden. Die Nähe zu Polen nutzt die internationale Schule ganz bewusst.

Schon zehn Kilometer vor Neuzelle kündigt eine SMS den Wechsel zu einem polnischen Mobilfunkanbieter an. Gerade habe ich die Planstadt Eisenhüttenstadt hinter mir gelassen – der wohl passendste Ort für das in der Mitte ansässige „Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR“. Als hinter der nächsten Kurve der kleine Ort Neuzelle auftaucht, wirkt die in den Broschüren der Tourismus-Information verwendete Bezeichnung „Barockjuwel“ für das den Ort prägenden Zisterzienser-Kloster nicht übertrieben. Das im 14. Jahrhundert erbaute Kloster mit den beiden Barockkirchen und dem dorfähnlichen Gelände gehört zu den wenigen vollständig erhaltenen Anlagen Europas (www.neuzelle.de).

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Ruhiger Klostergarten

Die Atmosphäre des Stifts Neuzelle in der nördlichen Niederlausitz, sechs Kilometer von Polen beziehungsweise der historischen Oder-Neiße-Grenze entfernt, ist ein eindeutiger Pluspunkt von Schule und Internat. Im Kreuzgang und Klostergarten müssen auch die Jugendlichen die Ruhe spüren, die früher schon die Mönche beim Meditieren unterstützt hat. Einige noch unsanierte Wirtschaftsgebäude versprühen einen morbiden Charme. Die Rahn Dittrich Group, der private Träger von Gymnasium, Oberschule und Internat, hat die Schulgebäude von der Stiftung Stift Neuzelle gemietet, die sich seit 1997 der Restaurierung und Sanierung der Anlage widmet.

Das Gymnasium ist eine der wenigen staatlich anerkannten internationalen Schulen in Brandenburg. Zurzeit werden circa 400 Kinder und Jugendliche ab der siebten Klasse unterrichtet. Die meisten kommen aus der nahen Umgebung, aus Frankfurt/Oder, Cottbus und Guben. Die Schulgebühren von knapp 100 Euro im Monat zahlen die Eltern gern. Dafür bietet die Schule neben Englisch vier zweite Fremdsprachen an (Spanisch, Französisch, Polnisch und Russisch), die zum Teil von Muttersprachlern unterrichtet werden. Kleine Klassen und engagierte Lehrer bietet auch diese Privatschule. Der größte Teil ausländischer Schüler kommt aus Polen, einige wenige aus Russland, der Slowakei, Rumänien, Ungarn und Korea. „Aus den letzten drei Abiturjahrgängen waren die besten Schüler polnischer Herkunft“, hebt Schulleiter Kaspar Kaiser hervor. Die Kooperation mit dem Nachbarland ist sowohl der Schulleitung als auch dem brandenburgischen Landesministerium wichtig. Polnische Familien können Sozial- und Leistungsstipendien beantragen. Das Gymnasium arbeitet eng mit der europäischen Stiftung für Bildung und Kultur im grenznahen Zielona Góra zusammen; Austauschprogramme mit Partnerschulen in Polen finden regelmäßig statt. Alle Schilder und Wegweiser auf dem Schulgelände geben auch auf Polnisch Auskunft. Beide Nationen profitieren davon: „Viele deutsche Schüler sprechen inzwischen sehr gut polnisch und sind an ihren Nachbarn aufrichtig interessiert“, sagt Kaiser.

Das Internat verfügt noch über frei Plätze

Während die Wartelisten für das Gymnasium lang sind, verfügt das Internat noch über freie Plätze. 40 Schüler leben in dem auf einer Anhöhe gelegenen ehemaligen Winzerhaus, 80 Plätze könnten angeboten werden. Von dem nach Denkmalschutzkriterien sanierten Gebäude „auf dem Priorsberg“ hat man einen wunderbaren Blick hinunter auf die Klosteranlage – und die Schüler einen besonders schönen Schulweg. Zurzeit können die meist 20 Quadratmeter großen Zweibettzimmer von einem Schüler bewohnt werden. Internatsleiter Rainer Karge arbeitet seit der Gründung 2003 mit vier Erziehern dort. Der in Neuzelle geborene resolute Sozialpädagoge achtet mit viel Vertrauensvorschuss darauf, dass die Hausregeln eingehalten werden. Die Probleme sind dabei die gleichen wie in vielen Familien mit Zwölf- bis 19-Jährigen. Trotz vielfältiger Sport- und Freizeitangebote sitzen die meisten Jugendlichen am liebsten vor ihrem Laptop. „Im Moment denken wir darüber nach, wie wir die Medienzeit am sinnvollsten einschränken können“, erzählt Karge.

Der Preis für Internat und Gymnasium ist mit 1228 Euro monatlich vergleichsweise günstig. Wer für sein Kind einen ruhigen besinnlichen Ort zum Lernen sucht, historische Gemäuer anregend findet oder die deutsch-polnische Kooperation schätzt, der sollte sich ruhig einmal in den tiefen Osten wagen.

Petra Bühring

Gymnasium und Internat im Stift Neuzelle, Stiftsplatz 7,
15898 Neuzelle, Telefon: 033652 82580,
www.gymnasium-neuzelle.de, info@gymnasium-neuzelle.de

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