ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2010Tele­ma­tik­infra­struk­tur: Heraus aus der Isolation

POLITIK

Tele­ma­tik­infra­struk­tur: Heraus aus der Isolation

Dtsch Arztebl 2010; 107(25): A-1249 / B-1100 / C-1080

Osterloh, Falk

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Verschlankt zwar, aber nicht weniger ungeliebt, trudelt die elektronische Gesund- heitskarte weiterhin einer ungewissen Zukunft entgegen. Weitaus konsensfähiger erscheinen Telemedizin und Tele­ma­tik­infra­struk­tur – bei Ärzteschaft und Politik.

Die Probleme mit der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) sind ebenso totgeredet wie hochaktuell. Die Fronten zwischen Befürwortern und Gegnern sind nach wie vor verhärtet. Dennoch bewegt sich das Projekt derzeit mit vergleichsweise hohem Tempo.

Als „solide Basis“ bezeichnete Ministerialdirigent Norbert Paland die neue Aufgabenverteilung in der Gematik. Foto: Wegweiser Media & Conferences GmbH Berlin
Als „solide Basis“ bezeichnete Ministerialdirigent Norbert Paland die neue Aufgabenverteilung in der Gematik. Foto: Wegweiser Media & Conferences GmbH Berlin
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Im April dieses Jahres haben sich die Gesellschafter der Gematik auf ein neues Organisationsmodell für die nächsten Jahre geeinigt. Die drei verbliebenen Anwendungen der Gesundheitskarte werden nun von den zuständigen Gesellschaftern in alleiniger Verantwortung übernommen: Die Bundes­ärzte­kammer kümmert sich um die Einführung des Not­fall­daten­satzes, die Kassenärztliche Bundesvereinigung übernimmt den elektronischen Arztbrief, und der GKV-Spitzenverband verantwortet die Entwicklung eines Online-Abgleichs der Versichertenstammdaten. Dieser hat Mitte Juni noch mittels einer Hauruck-Aktion Eingang in das GKV-Änderungsgesetz gefunden. Ärzte müssen nun die Versichertenstammdaten auf der elektronischen Gesundheitskarte einmal im Quartal online abgleichen. Wie von den Leistungserbringern gefordert, ist die Online-Anbindung der Praxissoftware an die Tele­ma­tik­infra­struk­tur für die Ärzte dabei jedoch freiwillig. Ärzteverbände kritisieren den Beschluss dennoch scharf. So schreibt beispielsweise der NAV-Virchow-Bund, das Management der Versichertendaten sei „eine originäre Aufgabe der Krankenkassen“ und habe „in der Arztpraxis nichts verloren“.

Die neue Aufgabenverteilung innerhalb der Gematik bezeichnete der Leiter der Unterabteilung „Haushalt/Telematik“ im Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium, Ministerialdirigent Norbert Paland, auf dem „5. gesundheitsökonomischen Kongress“ der Wegweiser GmbH in der vergangenen Woche als „solide Basis“. Denn es gebe nun klare Verantwortungen, und keiner der Beteiligten könne dieser Verantwortung mehr ausweichen. Auch bedürfe es nun keiner zentralen Server und keiner PIN mehr, die sich die Versicherten merken müssten.

eGK unter Beschuss

Trotz verkleinerter Version steht die eGK aber weiterhin unter Beschuss. So forderten die Delegierten des diesjährigen Deutschen Ärztetages die Bundesregierung auf, „das verfehlte Projekt elektronische Gesundheitskarte in der weiter verfolgten Zielsetzung endgültig aufzugeben“. Und der Vorsitzende der Freien Ärzteschaft, Martin Grauduszus, erklärte auf dem Wegweiser-Kongress zu dem nun beschlossenen Online-Abgleich der Stammdaten: „Es geht nicht darum, etwas zu verbessern, sondern es geht um die Tele­ma­tik­infra­struk­tur, um zentrale Server.“

„Eine ganz simple Wahrheit“

Im Gegensatz zur elektronischen Gesundheitskarte hatte der Deutsche Ärztetag jedoch gerade die „bundeseinheitliche, diskriminierungsfreie Tele­ma­tik­infra­struk­tur als technische und datenschutzrechtliche Grundlage“ für künftige Telemedizinprojekte durchaus begrüßt. Auf dem Kongress bekräftigte der Vorsitzende des Ausschusses Telematik der Bundes­ärzte­kammer, Dr. med. Franz-Josef Bartmann, noch einmal die Position der Ärzteschaft: „In Deutschland gibt es flächendeckend, aber voneinander isoliert eine Vielzahl von Telemedizinprojekten, die von engagierten Ärzten in den Regionen initiiert worden sind. Um diese Isolation aufzubrechen, sehe ich eine absolute Notwendigkeit in dem Aufbau der Tele­ma­tik­infra­struk­tur.“

Eine ähnliche Auffassung vertrat auf derselben Veranstaltung Dr. Clemens Martin Auer aus dem österreichischen Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium: „Unser Job in der Regierung war es, dafür zu sorgen, dass es keine Insellösungen gibt, sondern Kompatibilität, ein einheitliches IT-System und ein einheitliches Authentifizierungssystem.“ Auer war bei der Einführung der österreichischen E-Card einer der Architekten der dortigen Tele­ma­tik­infra­struk­tur. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Informationstechnologie von öffentlichem Interesse ist und einen wirklichen Nutzen in der ärztlichen Versorgung gebracht hat. Das ist eine ganz simple Wahrheit.“

Falk Osterloh

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