ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2010Börsebius: Silberstreif

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Börsebius: Silberstreif

Dtsch Arztebl 2010; 107(25): A-1274 / B-1122 / C-1102

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Erst vor gut einem Monat habe ich an dieser Stelle (Deutsches Ärzteblatt, Jg. 107, Heft 19 vom 14. Mai 2010) über die Pläne der Bundesregierung berichtet, bei offenen Immobilienfonds einschneidende gesetzliche Veränderungen vornehmen zu wollen. Die möglicherweise boshafte, sicher aber leichtfertige Idee von Bundesfinanzminister Schäuble war eine Mindesthaltepflicht von 24 Monaten, verbunden mit einer möglichst langen Kündigungsfrist und einem fürchterlichen zehnprozentigen Bewertungsabschlag. Wenn das alles so käme, so meine geäußerte damalige Meinung, würde der Bundesfinanzminister zum Totengräber des Anlageproduktes „offene Immobilienfonds“, weil dann schlichtweg nicht mehr verkäuflich.

Nun gehe ich nicht davon aus, dass die politisch Verantwortlichen diese Kolumne auch gelesen haben und darüber zur inneren Einkehr gelangt sind. Gleichwohl, zur großen Überraschung vieler Beobachter, lenkte das zuständige Ministerium in vergleichsweise hoher Geschwindigkeit ein, möglicherweise aufgrund effizienter Lobbyarbeit. Das ist auch gut so, denn seit Bekanntwerden der ministeriellen Überlegungen zogen verschreckte Anleger circa zwei Milliarden Euro aus den Fonds ab, so es ging, denn bekanntlich sind ja mittlerweile viele offene Immobilienfonds eh schon geschlossen.

Der Bewertungsabschlag von zehn Prozent auf die von Sachverständigen ermittelten Verkehrswerte soll dem Vernehmen nach bereits vom Tisch sein, und auch bei den Haltefristen sind Erleichterungen im Gespräch.

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Es wäre sehr zu wünschen, dass die offenen Immobilienfonds wieder in ein besseres Fahrwasser kommen. Jahrzehntelang gehörte diese Assetklasse zu den sicheren Renditepfeilern in vielen Hunderttausenden Depots. Diese Fonds gerieten vor allem durch die Finanzmarktkrise und darauf folgende gewaltige Mittelabflüsse in die Bredouille. Dazu kamen als systemimmanente Probleme noch hausgemachte Fehler der Branche, etwa in Gutachterfragen (Wer bewertet eine Immobilie wann, wie oft und nach welchen Standards?).

Es bedarf also sowohl der maßvollen Regulierung durch den Gesetzgeber als auch einer hohen Transparenz der Fondsanbieter selbst hinsichtlich einer neutralen und marktgerechten Bewertung der Immobilien. Dann würde aus dem derzeitigen Silberstreif für offene Immobilienfonds dauerhaftes Schönwetter. Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg. Er muss dennoch gegangen werden.

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