ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2010Interview: Idealisierend
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Herrn Hoppes Ansichten zum Recht der Patienten auf eine gute medizinische Versorgung und dem Erfolg der Schlichtungsstellen finde ich sehr idealisierend. In meinem Fachgebiet, der psychotherapeutischen Medizin, ist es für Patienten kaum möglich, vor dem Sozialgericht eine Therapie, die von der Krankenkasse nicht bewilligt wurde, einzuklagen. Dies gelingt nur mit einem sehr versierten Gutachter . . . Auf welche Statistik bezieht sich Herr Hoppe, um aus den Schlichtungsstellen eine Erfolgsgeschichte zu machen? Und was meint er mit Erfolg? Ich konnte es lange nicht nachvollziehen, aus welchen Gründen die Fachanwälte für Arzthaftungsrecht vor den Schlichtungsstellen warnen. Erst als ich an einer solchen Sitzung teilgenommen habe, fand ich alle Bedenken der Anwälte bestätigt. Es ging dabei um eine Augenoperation. In der Schlichtungsstelle saßen nun drei Herren im Ruhestand: ein Richter a.D., ein Gynäkologe i.R. und ein Augenarzt i.R. Aufgrund von Auslassungen, dem Übergehen von Befunden weiterer behandelnder Ärzte, Herabsetzung deren Kompetenz sowie der Übernahme der Behauptung des Vertreters der Klinik, ihre eigene Jahresstatistik würde nicht stimmen, und die Fallzahl für diese Operation betrage nicht vier bis fünf im Jahr, sondern fast 200, kam es dann zu einem Ergebnis, das sich bereits nach fünf Minuten abzeichnete. Für einen Arbeiter oder Ausländer wäre die Sitzung, falls er überhaupt dort hingefunden hätte, danach vermutlich bereits beendet gewesen . . . Vor Gericht hingegen kann der Patient seinen eigenen Gutachter benennen und im Zweifelsfall in Revision gehen.

Dr. Eva Frost, 70180 Stuttgart

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