ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2010Schlichtungsstellen: Wichtige Anlaufstelle für Patienten

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Schlichtungsstellen: Wichtige Anlaufstelle für Patienten

Dtsch Arztebl 2010; 107(25): A-1248 / B-1099 / C-1079

Gerst, Thomas

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Die Statistik der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen zeigt auch Fehler bei der Behandlung, die sich mit einfachen Mitteln vermeiden ließen.

Die Ärzteschaft redet nicht nur über Patientenrechte, sondern ermöglicht es jedem Bürger, sein Recht einzufordern.“ Dr. med. Andreas Crusius, Präsident der Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern und Vorsitzender der Ständigen Konferenz der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen, ist stolz auf das, was diese Einrichtungen der Ärztekammern in den vergangenen Jahren geleistet haben. Bei der Vorstellung der neuen Statistik der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen für das Jahr 2009 betonte Crusius deren hohe Akzeptanz bei Patienten und Ärzten. Im Bereich der außergerichtlichen Streitschlichtung seien diese Einrichtungen inzwischen anerkannte Anlaufstellen für Patienten. Hier könne ein Patient, der an der Qualität seiner Behandlung zweifele, kostenfrei und ohne bürokratischen Aufwand eine objektive Begutachtung beantragen.

Verwechslungen bei der Pharmakotherapie kommen immer wieder vor. Mit Farbcodierungen könnten sie ausgeschlossen werden. Foto: vario images
Verwechslungen bei der Pharmakotherapie kommen immer wieder vor. Mit Farbcodierungen könnten sie ausgeschlossen werden. Foto: vario images
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Die statistische Auswertung der Arbeit der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen, die zum dritten Mal in Folge der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, leiste zudem einen wichtigen Beitrag zur Patientensicherheit, sagte Crusius. „Das EDV-gestützte Erfassungssystem informiert differenziert über das Fehlergeschehen, die betroffenen Fachgebiete und die Fehlervorwürfe und liefert somit Hinweise auf Fehlerschwerpunkte, die in die ärztliche Fortbildung und Qualitätssicherung einfließen.“

Die vom Geschäftsführer der Schlichtungsstelle für Arzthaftpflichtfragen der norddeutschen Ärztekammern, Johann Neu, vorgestellte Auswertung zeigt, dass nicht wenige der vorgetragenen Beschwerden berechtigt waren. Bei 5 240 der im Jahr 2009 getroffenen 7 424 Entscheidungen konnte zwar kein Fehlverhalten erkannt werden, in 413 Fällen wurden jedoch Fehler ohne kausale Auswirkungen und in 1 771 Fällen Schäden durch fehlerhaftes ärztliches Handeln festgestellt. Dies waren nicht nur Bagatellschäden (55) und passagere leichte/mittlere Schäden (691), sondern es kam auch zu Todesfällen (91) und schweren Dauerschäden (173) infolge von Fehlern.

Die Notwendigkeit, Verwechselungen bei der Pharmakotherapie zu vermeiden, unterstrich Prof. Dr. med. Walter Schaffartzik, Ärztlicher Leiter des Unfallkrankenhauses Berlin. 27 Todesfälle in den vergangenen neun Jahren seien im Bereich der norddeutschen Schlichtungsstellen auf Fehler bei der Anwendung zum Teil hochwirksamer Medikamente zurückzuführen. Zu wenig werde noch die Forderung der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin umgesetzt, über Farbcodierungen solche Verwechslungen so weit wie möglich auszuschließen. Dies funktioniere schon mit einfachen farbigen Klebern, auf denen auf den ersten Blick auch die Konzentration des Medikaments erkannt werden könne.

Thomas Gerst

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