ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2010Deutscher Ethikrat: Biobankgeheimnis

SEITE EINS

Deutscher Ethikrat: Biobankgeheimnis

Dtsch Arztebl 2010; 107(25): A-1233 / B-1085 / C-1065

Richter-Kuhlmann, Eva

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Seit Jahrzehnten bereits sind Blutbanken und andere Einrichtungen zur Speicherung menschlichen Gewebes selbstverständlicher Bestandteil der medizinischen Versorgung und Forschung. Im Rahmen der Nationalen Kohorte sollen künftig sogar die Daten von 200 000 Bürgern gespeichert werden, um neue Erkenntnisse über Volkskrankheiten zu gewinnen. Mit den Biobanken und ihren Datensätzen ist es möglich, Spender trotz Pseudonymisierung wieder zu identifizieren. Zwar sind Biobanken überwiegend in öffentlicher Trägerschaft, doch auch Pharmafirmen oder Versicherer könnten sich für die Sammlungen interessieren. Spezifische rechtliche Vorschriften für diese Banken, in denen nicht nur Zellen und Gewebe aufbewahrt werden, sondern auch die daraus gewonnenen Informationen und genetischen Daten, fehlen jedoch bislang. Auch das seit Februar dieses Jahres geltende Gendiagnostikgesetz befasst sich nicht mit dem Bereich der Forschung.

Der Deutsche Ethikrat legt nun den Finger auf diese Regelungslücke und fordert klare gesetzliche Bestimmungen. Nachdem er sich bereits 2004 mit diesem Thema beschäftigte, veröffentlicht er jetzt seine zweite (einstimmig verabschiedete!) Stellungnahme mit dem Titel „Humanbiobanken für die Forschung“ und schlägt ein 5-Säulen-Konzept für eine gesetzliche Regulierung vor.

Wichtigste Säule dieses Konzepts ist ein Biobankgeheimnis. Es soll die Verarbeitung und Übermittlung von Proben und zugehörigen Daten während ihrer gesamten Existenz auf die Zwecke wissenschaftlicher Forschung begrenzen. „Gegenüber allen forschungsexternen Dritten sollen die Daten unzugänglich sein“, erklärt die Bioethikerin Prof. Dr. Regine Kollek. Die Forschung werde diese Regelung nicht erschweren. Den Kern des Biobankgeheimnisses sollen – entsprechend den Regelungen, die für Ärzte gelten – eine Schweigepflicht und ein Zeugnisverweigerungsrecht bilden. Damit wäre der Zugriff für alle Personen und Institutionen außerhalb des Wissenschaftsbereichs, einschließlich des Staates, verboten. „Inwieweit der Staat Zugriff haben darf, wird sicher heftig diskutiert werden“, vermutet der Jurist Prof. Dr. Jochen Taupitz. Er empfiehlt ihn nur sehr begrenzt zu erlauben, zum Beispiel zur Gefahrenabwehr im Fall von Terroranschlägen.

Anzeige
Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann. Redakteurin für Gesundheits- und Sozialpolitik
Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann. Redakteurin für Gesundheits- und Sozialpolitik

Mit den weiteren Säulen möchte der Ethikrat die Nutzung von Biobankmaterialien und Daten regeln. Grundsätzliche Voraussetzung für die Verwendung der Proben und Daten in Biobanken soll die Einwilligung des Spenders sein. Aber auch Ethikkommissionen möchte das Gremium einbeziehen sowie eine Qualitätssicherung und ein öffentlich zugängliches Biobankregister eingerichtet wissen. Der Rat empfiehlt zudem, international verbindliche Schutzstandards anzustreben, um das Biobankgeheimnis auch beim Austausch von Proben und Daten mit Kooperationspartnern im Ausland zu sichern. Dies wird nötig sein, denn die Entwicklung von Biobanken hat international enorm an Dynamik gewonnen, und ein Ende ist derzeit nicht in Sicht.

Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann
Redakteurin für Gesundheits- und Sozialpolitik

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Deutsches Ärzteblatt plus
zum Thema

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema