ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2010Behandlung im Notfall verweigert

RECHTSREPORT

Behandlung im Notfall verweigert

Dtsch Arztebl 2010; 107(25): A-1276 / B-1124 / C-1104

Berner, Barbara

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Ein Arzt ist verpflichtet, bei Notfällen Hilfe zu leisten. Dies hat das Berufsgericht für Ärzte in Stuttgart (BGÄS) bekräftigt.

In dem Gebäudekomplex, in dem der beschuldigte Arzt seine Praxis hat, führt eine Krankenschwester ein Institut für medizinische Fußpflege und Kosmetik. Zu dieser kam eine Kundin, um sich behandeln zu lassen.

Die Kundin hatte bereits einen Schlaganfall erlitten und war zuckerkrank. Am betreffenden Tag ging es der Frau besonders schlecht. Sie war unsicher auf den Beinen und reagierte verlangsamt. Da ein Getränk nicht zur Besserung führte, sich ihr Zustand vielmehr zunehmend verschlechterte, wurde der Arzt im Haus um Hilfe angerufen. Ihm wurde geschildert, dass der Kundin möglicherweise ein zweiter Apoplex drohe oder sie ein Zuckerproblem habe.

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Der Arzt entgegnete, man solle die Patientin zu ihm bringen. Da dies wegen des Zustands der Frau nicht mehr möglich war, forderte ihn die Kosmetikerin auf zu kommen. Wegen seiner beharrlichen Weigerung wurde ein Notarzt zu Hilfe gerufen. Dieser stellte eine massive Unterzuckerung fest, die wegen des Zustands der Patientin nicht mehr oral, sondern mit Infusion behandelt werden musste, und veranlasste die Einweisung als Notfall ins Krankenhaus.

Während der Notarzt bei der Frau war, verließ der beschuldigte Arzt zur Mittagspause seine Praxis, ohne sich um die Vorgänge im benachbarten Kosmetikinstitut zu kümmern. Zwar bestritt der Arzt, eine Behandlung verweigert zu haben. Er habe an diesem Tag selbst mehrere kritische Fälle zu behandeln gehabt, um die Mittagszeit eine Patientin mit einer akuten Herzrhythmusstörung. In dieser Zeit habe ihn der Anruf erreicht. Allerdings kann aus dem vom Arzt vorgelegten Protokoll über die Ableitung eines EEG ersehen werden, dass die kritische Phase seiner Patientin bereits abgeklungen war, als der Anruf erfolgte.

Der Arzt hat somit gegen die Pflicht aus § 2 Absatz 2 der Berufsordnung verstoßen, seinen Beruf gewissenhaft auszuüben und dem ihm entgegengebrachten Vertrauen zu entsprechen. Er hat berufswidrig gehandelt. Unter Abwägung der Umstände hielt das Gericht eine Geldbuße von 3 000 Euro für angemessen. (Bezirksberufsgericht für Ärzte in Stuttgart, Urteil vom 24. Juni 2009, Az.: BGÄS 7/09)

RAin Barbara Berner

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