ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2010Hohe klinische Wirksamkeit der A/H1N1-Vakzine belegt

AKTUELL: Akut

Hohe klinische Wirksamkeit der A/H1N1-Vakzine belegt

Dtsch Arztebl 2010; 107(25): A-1238 / B-1090 / C-1070

Siegmund-Schultze, Nicola

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Die immunogene Wirkung von Pandemieimpfstoffen gegen die Influenza A/H1N1 ließ sich bei der Zulassung nur auf Basis von Studien abschätzen, in denen die Rate der Impflinge mit vermutlich schützenden Antikörpertitern ermittelt wurde. Im Rahmen solcher Studien hatten adjuvantierte A/H1N1-Vakzine bei etwa neun von zehn Impflingen die Bildung von Antikörpern ausgelöst in Titern, die mit einem Schutzeffekt assoziiert werden. Wie hoch aber war die Schutzwirkung für die Normalbevölkerung während der Epidemie tatsächlich? Die Frage nach der klinischen Wirksamkeit der Vakzine lässt sich erst nach einer Erkrankungswelle beantworten. Dies hat das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin nun mit zwei epidemiologischen Studien zur klinischen Wirksamkeit einer Impfung mit dem AS03-adjuvantierten A/H1N1-Impfstoff Pandemrix® getan (Epid Bull 21; 2010: 198–201). Die Ergebnisse basieren auf den gemeinsamen Surveillance-Daten des RKI und des Nationalen Referenzzentrums für Influenza.

Studie 1 war eine (testnegative) Fallkontrolluntersuchung, für die Daten von 6 195 Patienten mit Influenzasymptomen zur Verfügung standen (PCR als Labortest von Proben aus dem Nasenrachenraum und Fallinformation). Bei der in Studie 2 angewandten Fallserienmethode wurden die Daten von 73 280 Fällen ausgewertet, die zwischen der 44. und 53. Kalenderwoche gemeldet worden waren. Der Impfstatus war jeweils bekannt, meist auch das Datum der Impfung.

Erstes wichtiges Ergebnis: Nach der Impfung dauert es bis zur Entwicklung der Immunität offenbar durchschnittlich elf Tage. Denn bei geimpften Personen nahm die Rate positiver Labortests ab dem Tag zwölf nach Immunisierung deutlich ab. Für die Altersgruppe der unter 14-Jährigen fanden die Wissenschaftler eine klinische Wirksamkeit von 84 Prozent in der Fall­kontroll­studie und von 85 Prozent in der nach der Fallserienmethode ausgewerteten Studie. Für die Personen älter als 13 Jahre betrug die klinische Wirksamkeit 74 Prozent in der Fallkontroll-Untersuchung und 68 Prozent in Studie 2. Die Ergebnisse waren jeweils statistisch signifikant. Fazit der Forscher: Die klinische Effektivität des A/H1N1-Impfstoffs ist altersabhängig, so wie dies auch von Vakzinen gegen saisonale Influenza bekannt ist. Und: Eine einmalige Impfung mit der adjuvantierten A/H1N1-Vakzine senkt das Risiko für eine Erkrankung auf deutlich weniger als 50 Prozent.

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Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

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