ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2010Museum Koenig: Weltreise am Nachmittag

KULTUR

Museum Koenig: Weltreise am Nachmittag

Dtsch Arztebl 2010; 107(26): A-1315 / B-1161 / C-1141

Heidenreich, Uta

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Rundgang durch die Ausstellung des Bonner Naturkundemuseums

Foto: Uta Heidenreich, Museum Koenig
Foto: Uta Heidenreich, Museum Koenig

Die Dauerausstellung „Unser blauer Planet – Leben im Netzwerk“ im Bonner Museum Koenig zeigt die Ökosysteme der ganzen Welt.

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Direkt hinter dem Foyer eröffnet sich, überspannt von einer riesigen Glaskuppel, die afrikanische Savannenlandschaft. Keine endlosen Reihen von Vitrinen, aus denen steife Kadaver mit leerem Blick dem Besucher entgegenstarren, sondern eine offene Fläche inszenierten Lebensraums, der den Betrachter nach Afrika versetzt.

Eingefroren im Moment stehen Zebras am Wasserloch, während ein Warzenschwein bei seiner Flucht vor dem Gepard eine Herde Antilopen passiert. Nach US-amerikanischem Vorbild sind die präparierten Tiere lebensecht in ihrem Ökosystem dargestellt und ermöglichen es dem Besucher, selbst in die Fußstapfen des Zoologen und Museumsgründers Alexander Koenig zu treten. Mit Hilfe von Ferngläsern und Bestimmungsheft lassen sich die entdeckten Tiere der richtigen Art zuordnen, und wer genau hinsieht, kann sich sogar ökologische Zusammenhänge erschließen. So lauert der Löwe in der Nähe der Wasserstelle, was von dem witternden Zebra jedoch nicht unbemerkt bleiben dürfte.

Als zentraler Bestandteil der Savannenlandschaft reckt sich der Affenbrotbaum im Lichthof des Museums gen Himmel.
Als zentraler Bestandteil der Savannenlandschaft reckt sich der Affenbrotbaum im Lichthof des Museums gen Himmel.

Auf dem Weg von der Savanne in die eisigen Gefilde – der durch den Regenwald führt – wird deutlich, dass das Museum sein fortschrittliches, aber kostenintensives Konzept erst nach und nach umsetzen kann. Bislang wirkt die Darstellung der Tiere auf kahlen Podesten noch ein wenig lieblos, der Umbau dieses Ausstellungsteils ist aber schon in Planung: Auf zwei, über den begehbaren Stamm einer Würgefeige verbundenen Stockwerken, sollen Einblicke in das Unterholz und Kronendach eines Regenwalds gegeben werden.

Durch den Eiskanal gelangt der Besucher zu den Polarregionen, wo Eisbären und Pinguine warten. Vor allem die jüngeren Besucher dürften sich von den Mitmachstationen und dem begehbaren Iglu angesprochen fühlen. Hier lässt sich hautnah erleben, was die kurzen Filme über die Lebensgewohnheiten der Inuit dokumentieren.

Heimische Tiere sind im Ausstellungsteil „Mitteleuropa“ zu sehen. Dort sind sie zwar wieder hinter Glas gebannt, aber in einer besonders netten Form: Dioramen mit kunstvoll gezeichneten Landschaften erwecken auch ohne 3-D-Brille eine überraschende räumliche Tiefe.

Als Gegenpol zu den allseits erstarrten Kreaturen in der Ausstellung sind im Vivarium auch lebendige Tiere zu bestaunen. Wissbegierige können in aller Ruhe die unterschiedlichen Zeichnungen heimischer Nattern vergleichen oder einfach die kuriosen Axolotl bewundern.

Seit Eröffnung des Arktis-Antarktis-Bereichs im Anschluss an die umfassende Sanierung des Museums im Jahr 2003, wird Mitte Juli nun erstmals die Dauerausstellung erweitert werden. Eine naturalistische Sand- und Felswüstenlandschaft soll die bestehenden Teile ergänzen. „Besondere Highlights werden ein Tag-Nacht-Diorama sowie Mitmachstationen zum Erforschen von Wüstenbewohnern und unterschiedlichen Sandarten sein“, kündigt der Ausstellungsleiter, Dr. Thomas Gerken, an. Begleitet wird die Neueröffnung der Wüstenlandschaft von der Fotoausstellung „Mali – Wind, Sand und Menschen“ des Wüstenfotografen Michael Martin.

Auch medizinisch Interessierte werden in Kürze auf ihre Kosten kommen. Ab dem 21. Juli wird im ersten Stock anlässlich des einhundertsten Todestages von Robert Koch eine Sonderausstellung der Deutschen Forschungsgemeinschaft und des Robert-Koch-Instituts mit dem Titel „MenschMikrobe“ zu sehen sein. An zehn Stationen soll der Weg von der Entdeckung der Kleinstlebewesen bis hin zur modernen
Infektionsmedizin anschaulich und interaktiv dargestellt werden.

Uta Heidenreich

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