ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2010Börsebius: Nein, wir können nicht

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Börsebius: Nein, wir können nicht

Dtsch Arztebl 2010; 107(26): A-1320 / B-1164 / C-1144

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Mit dem Wahlspruch „Yes, We Can“ (gemeint war ja wohl eher die erste Person Singular) erklomm Barack Obama den Präsidentenstuhl der Vereinigten Staaten von Amerika. Und weil das ein so großes Land ist, glaubt der Mann, er könne sich alles erlauben.

Die klare, schonungslose und richtige Analyse der Bundesregierung, jetzt sei die Zeit des Sparens gekommen, wird auch von den politisch Verantwortlichen in Europa als Signal nicht nur ernst genommen, sondern soll auch vehement (endlich!) in die Tat umgesetzt werden. Doch Barack Obama stellte sich Ende Juni gegen unsere Bundeskanzlerin und gebot ihr energisch Einhalt. Sie solle doch ihren Sparkurs bitte dämpfen. Zwischen dämpfen und eindampfen liegt sprachlich nur ein kleiner Schritt, in der dringend gebotenen Sanierung der Staatshaushalte wäre beides ziemlich fatal bis katastrophal.

Warum das alles, was reitet den ansonsten eher als nachdenklich und feinfühlig eingeschätzten US-Präsidenten zu solch harscher undiplomatischer Vorgehensweise?

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Es ist ja eigentlich klar, dass die Konsolidierung der Etats (zunächst) die Konjunktur nicht beflügelt, mindestens aber das Wirtschaftswachstum abbremst. Das ist aber genau das Problem der Amerikaner. Sie brauchen (nahezu um jeden Preis) steigende Wachstumsraten, also auch Umsätze in Europa, um ihre horrenden Defizite auch weiter finanzieren zu können. So einfach liegen die Dinge manchmal.

Die Sparanstrengungen aufgeben bedeutet, anderen ahnungslosen Dritten zentnerschwere finanzielle Lasten in völlig verantwortungsloser Art und Weise aufzubürden. Die Quittung in Form von Billionen von Euro würde nämlich unseren nachfolgenden Generationen, Kindern und Kindeskindern präsentiert. Das alles für Leistungen, genauer Missleistungen, die sie nie verursacht, geschweige denn zu vertreten haben.

Aber auch wir müssten heute schon eine solche existenzielle Fehlentscheidung im Fegefeuer büßen, in dem wir es mit höheren Inflationsraten und drastischen Geldentwertungsgefahren zu tun bekommen, schwache Börsen inklusive. Soll unser Geld am Ende wirklich kaputtgehen? Mr. Obama, nein, wir können nicht. Und wir wollen auch nicht.

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