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Mit Verwunderung nahm ich die Überschrift zum Artikel des Düsseldorfer Gesundheitsamtes über die angeblich erfolgreiche Eindämmungsstrategie am Düsseldorfer Flughafen zu Beginn der Influenza-Pandemie Ende April 2009 zur Kenntnis. Meine Informationen aus Bayern decken sich mit denen aus Düsseldorf nur teilweise . . .

Mit großem Medienrummel wurde am 29. April 2009 das Eintreffen der ersten Direktflugmaschine aus Cancun am Münchener Airport in Presse („Kein Virus an Bord von Flug LT 1415“; „Flug LT 1415 ohne Zwischenfall gelandet“), Funk und Fernsehen vermittelt. Mitarbeiter des örtlich zuständigen Gesundheitsamtes empfingen die Flugpassagiere nach der Landung, informierten, screenten und nahmen die bereits ausgefüllten Aussteigerkarten entgegen . . .

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Am Morgen des 30. April erreichte uns der Anruf eines besorgten Mexikoheimkehrers, der mit Krankheitssymptomen ebenfalls am 29. April über den Flughafen München eingereist war. Die Frage, ob er denn bei Ankunft von LT 1415 nicht registriert worden sei, sollte sich sehr schnell als naiv und vom Medienrummel fehlgeleitet herausstellen: Der junge Mann kam aus Madrid! Er hatte von Mexico City einen Direktflug nach Madrid gebucht und war dort, wie angeblich alle Umsteiger dieses Fluges, von den örtlichen Sicherheitskräften ohne jegliche Kontrolle zur Maschine nach München durchgewunken worden. In München und auch anderen deutschen Flughäfen konzentrierte man sich, wohl in Ermangelung entsprechender personeller Ressourcen im ÖGD auf die Direktverbindungen und verkaufte das . . . der Öffentlichkeit als erfolgreiche Maßnahme des Infektionsschutzes. Diese Informationspolitik versucht, ein dem ÖGD systemimmanentes Problem zu kaschieren: Neben den geringen personellen Ressourcen des ÖGD in Deutschland kommt behindernd für effektive Maßnahmen im Rahmen des Seuchenschutzes eine für Pandemieszenarien pikante Volte der Bürokratie hinzu: die Verwaltungsverfahrensgesetze der Länder. Sie regeln unter anderem die örtliche Zuständigkeit der öffentlichen Verwaltung. So ist die größte Gesundheitsverwaltung der Bundesrepublik Deutschland, in deren Nähe, aber nicht auf deren Stadtgebiet, sich der Flughafen München (immerhin mit dem siebtgrößten Fluggastaufkommen in Europa) befindet, nicht zuständig, sondern ein kleiner Landkreis mit ebenso kleinem Gesundheitsamt und dünner Personaldecke . . . Ähnlich dürfte sich die Lage in Rheinland-Pfalz mit dem Flughafen Hahn (vorwiegend von Billigfluglinien wie zum Beispiel Ryanair genutzt) darstellen.

So verging (für eine Pandemie, da sich Krankheitserreger bekanntlich nicht an den Dienstweg halten) geraume Zeit, bis sich für die aktive Eindämmungsstrategie am siebtgrößten Flughafen in Europa eine bessere personelle Präsenz organisieren ließ. Ein effektives „Entry Screening“ an Flughäfen ist aus meiner Sicht angesichts des hohen Aufkommens an internationalen Flügen . . . im Fall der Influenza nur extrem schwer zu erreichen – das sollte dann aber auch in aller Deutlichkeit kommuniziert werden. Dies vermisse ich in dem ansonsten fachlich fundierten Artikel aus Düsseldorf . . .

Dr. med. Johannes Donhauser, Arzt für öffentliches Gesundheitswesen, 86694 Niederschönenfeld

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