ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2010Pluralismus: Alternativer Vorschlag
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Unter dem Titel „Was ist seriöses Therapieren?“ hat Helmut Kiene mit Unterstützung durch Kollegen unterschiedlicher Fachrichtungen neun Kriterien genannt, durch welche sich therapeutische Seriosität auszeichnet. Obwohl diese Kriterien (z. B. die gewissenhafte medizinische Arbeitsweise) ausnahmslos zu begrüßen sind, werden sie im Zweifelsfall – und nur im Zweifelsfall werden die Kriterien benötigt – kaum geeignet sein, um Entscheidungen herbeizuführen. Deswegen messen wir diesen Kriterien mehr erkenntnistheoretische als praktische Bedeutung zu.

Eine etwas kleinere Arbeitsgruppe, die paritätisch aus Vertretern der
Alternativmedizin und der sogenannten Schulmedizin zusammengesetzt war, kam zu dem einfachen Schluss, dass die Kriterien zur Bewertung der Validität wissenschaftlicher Aussagen in der Alternativ- und Schulmedizin nicht unterschiedlich sein können.

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Für mich bedeutet das nicht, dass die Empfehlungen der Evidence based Medicine für immer in Stein gehauen sind. Ich halte es für möglich, dass sich auch dieser Teil der Wissenschaft weiterentwickelt. Vor einigen Jahren haben wir vorgeschlagen, die Lösung gesundheitlicher Probleme durch verschiedene Therapien unter Alltagbedingungen (stratifiziert, aber ohne Randomisation) miteinander zu vergleichen. Konkrete Vorschläge zur praktischen Umsetzung wurden kürzlich zusammengefasst ( Porzsolt F, Eisemann M, Habs M: Complementary Alternative Medicine and Traditional Scientific Medicine should use identical rules to complete clinical trials. http://dx.doi.org/10.1016/ j.eujim.2010.02.001).

Ein relevanter Fortschritt für alle würde gelingen, wenn wir uns einigen, identische klinische Probleme zwar mit unterschiedlichen Lösungen anzugehen, die Ergebnisse aber anhand einheitlicher Kriterien miteinander zu vergleichen. Da niemand riskieren wird, sich mit untauglichen Waffen einem Vergleich zu stellen, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit vorhersagbar, dass sich die überwiegende Anzahl der Lösungswege nicht durch ihre Effektivität, aber durch ihre Effizienz unterscheiden werden.

Literatur beim Verfasser

Prof. Dr. med. Franz Porzsolt,
Klinische Ökonomik, Universitätsklinikum Ulm, 89075 Ulm

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