ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2010Deutsche Apotheker- und Ärztebank: Das Gröbste überstanden

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Deutsche Apotheker- und Ärztebank: Das Gröbste überstanden

Dtsch Arztebl 2010; 107(26): A-1318 / B-1162 / C-1142

Stüwe, Heinz

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Nach dem ersten Verlust in der Geschichte gab es auf der Ver­tre­ter­ver­samm­lung reichlich Diskussionsbedarf. Der neue Vorstandssprecher, Herbert Pfennig, stellte für 2010 wieder einen Gewinn und eine Dividende in Aussicht.

Optimistischer Blick in die Zukunft: Für 2010 werde die Apobank wieder eine Dividende auszahlen, versprach Herbert Pfennig. Foto: Apobank
Optimistischer Blick in die Zukunft: Für 2010 werde die Apobank wieder eine Dividende auszahlen, versprach Herbert Pfennig. Foto: Apobank

So lange ist es noch nicht her, dass auf der Ver­tre­ter­ver­samm­lung der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (Apobank) nach dem Bericht des Vorstands keine einzige Wortmeldung registriert wurde. Die Zeiten haben sich geändert. Am 18. Juni wurde in Düsseldorf gut zwei Stunden lang diskutiert. Die Vertreter der mehr als 100 000 Mitglieder hatten Gesprächsbedarf. Denn erstmals in ihrer 108-jährigen Geschichte hatte die Genossenschaftsbank 2009 einen Verlust ausgewiesen.

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Der seit einem Jahr amtierende Sprecher des Vorstands, Herbert Pfennig, wartete mit einer guten Nachricht auf: Die Bank hat wieder die Gewinnzone erreicht. Von Januar bis Mai 2010 wurde ein Teilbetriebsergebnis vor Risikovorsorge von 137 Millionen Euro erzielt. Pfennig erwartet für das Jahr 2010 einen Jahresüberschuss, der es gestattet, nach einem Jahr Pause wieder eine Dividende auszuzahlen. „Aus heutiger Sicht liegt die schwierigste Phase hinter uns“, stellte Pfennig heraus.

Erneute Wertberichtigungen

Zugleich teilte er mit, dass auch in diesem Jahr wieder ungeplante Wertberichtungen auf Finanzinstrumente vorgenommen werden mussten. Zusammen mit Abschreibungen im Kreditgeschäft und der Zuführung zu den Vorsorgereserven erreichten die saldierten Risikokosten von Januar bis Mai 110 Millionen Euro. Das ist nach Pfennigs Worten ein deutlicher Rückgang gegenüber 2009, als im ganzen Jahr 588,4 Millionen Euro Risikovorsorge notwendig waren. Diese hohen Abschreibungen auf Wertpapieranlagen hatten der Bank trotz guter Erträge im operativen Geschäft einen Verlust von 283 Millionen Euro eingebracht. Seit Beginn der weltweiten Finanzkrise im Jahr 2007 mussten damit insgesamt 1,1 Milliarden Euro auf die eigenen Wertpapierbestände abgeschrieben werden, davon 800 Millionen Euro endgültig.

Die hohen Wertberichtigungen waren auf Anlagen in verbrieften Hypothekenkrediten sowie verbrieften Krediten an Unternehmen und Banken entstanden. Der Bestand an diesen „strukturierten Finanzprodukten“ wurde 2009 um 1,1 auf 4,5 Milliarden Euro abgebaut und soll bis 2014 auf 2,5 Milliarden Euro schrumpfen. Darin und in den sogenannten gehebelten Spezialfonds schlummern möglicherweise weitere Risiken. Pfennig wies auch auf Länderrisiken hin. So sei die Apobank mit einer kleinen dreistelligen Millionensumme in Griechenland engagiert. Unter Hinweis auf die Ertragskraft der Bank verbreitete Pfennig aber Zuversicht: „Ich habe keine Angst mehr, dass uns die Abschreibungen überrollen.“

Die Aufräumarbeiten des neuen Vorstands und sein Bemühen um Transparenz wurden in der Diskussion mehrfach gelobt. Zugleich äußerten mehrere Mitglieder ihr Unverständnis darüber, dass die Bank derartige Risiken eingegangen sei: „Wie konnte es dazu kommen? Wenn das Kerngeschäft so gut ist, warum geht man dann auf die Spielwiese Kapitalmarkt?“ Gefragt wurde auch nach der Verantwortung früherer Vorstände. Der Aufsichtsrat hatte eine Rechtsanwaltskanzlei beauftragt, mögliche Pflichtverletzungen von Vorständen beim Kauf von strukturierten Wertpapieren zu prüfen. Auf Empfehlung der Gutachter wird die Bank nun den Ende November 2009 ausgeschiedenen „Risikovorstand“ Günther Herion auf Schadensersatz verklagen, wie Apotheker Hermann S. Keller, der Aufsichtsratsvorsitzende, mitteilte. Die juristische Aufarbeitung der hohen Verluste aus den Wertpapieranlagen steht also noch bevor. Von der Ver­tre­ter­ver­samm­lung wurden nur die Vorstände, die 2009 ihr Amt angetreten haben, für das abgelaufene Geschäftsjahr entlastet. Die Entlastung der übrigen Vorstände, die bis auf Personalvorstand Werner Albert Schuster die Bank verlassen haben, wurde auf die nächste Ver­tre­ter­ver­samm­lung vertagt. Eine Sorgfaltspflichtverletzung des Aufsichtsrats ist nach Auffassung externer Gutachter nicht erkennbar. Das Aufsichtsgremium wurde für das Geschäftsjahr 2009 ohne Gegenstimmen bei sechs Enthaltungen entlastet.

Keine Kreditklemme

Pfennig bekräftigte, dass sich die Bank von ihrem Ausflug an den Kapitalmarkt verabschieden und auf ihr Kerngeschäft konzentrieren werde. Zur Expansion des Kreditgeschäfts will die Apobank im Vertrieb zusätzliche Mitarbeiter einstellen. Angesichts von 4,1 Milliarden Euro Neuausleihungen 2009 sieht Pfennig das Schlagwort von der Kreditklemme zumindest für die akademischen Heilberufe schon heute als widerlegt an. Dass Kredite an Privatkunden notleidend werden, ist bei der Apobank weiterhin sehr selten. Bei Krediten an ambulante Versorgungszentren seien die Planungen aber zu positiv gewesen. Es mussten Wertkorrekturen vorgenommen werden, die nicht beziffert wurden.

Neue Kredite müssen ausreichend mit Eigenkapital unterlegt sein. Mit dem Verlustabschluss ist jedoch die Eigenmittelquote der Apobank deutlich geschmolzen. Zur Stärkung der Eigenkapitalbasis ermächtigte die Ver­tre­ter­ver­samm­lung deshalb den Vorstand, eine stille Beteiligung von 50 bis 200 Millionen Euro hereinzunehmen. Sie soll vor allem bei ärztlichen Versorgungswerken platziert werden.

Heinz Stüwe

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