ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2010Praxisführung: Liquidität sichern

WIRTSCHAFT

Praxisführung: Liquidität sichern

Dtsch Arztebl 2010; 107(26): A-1319 / B-1163 / C-1143

Vetter, Michael

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Das „Kombiprogramm“ kann Praxisgemeinschaften helfen, Kreditprobleme in den Griff zu bekommen.

Das verstehe, wer will“, war die Reaktion von Dr. Wolfgang S., Mitglied einer Praxisgemeinschaft in Niedersachsen, als seine Hausbank ihm erneut schrieb, dass die Höhe des Eigenkapitals der Praxis „unbedingt erheblich verbessert werden muss“. Während der bisherigen langjährigen Zusammenarbeit war davon nie die Rede.

Selbstverständlich ist auch dem Arzt klar, dass Kreditinstitute wegen ihrer Ertragslage zunehmend auf die Eigenmittel ihrer mittelständischen Kreditnehmer achten müssen. Was ihn aber ärgert, ist der Eindruck, den die Bank vermittelt. Von Selbstkritik ist hier ebenso wenig die Rede, wie von einem stetigen Aufbau des Eigenkapitals. Der Eindruck ist vielmehr, dass sich S. schnell um eine deutliche Verbesserung des Eigenkapitals kümmern muss, um seine bisher akzeptable Kreditwürdigkeit nicht zu gefährden. Denn daran lässt die Bank keinen Zweifel: Die Eigenkapitalquote wird dort als „wesentlicher Bestandteil“ des Kreditratings gesehen und führt zwangsläufig, da sie bei der Praxisgemeinschaft „unter dem Branchendurchschnitt“ liegt, zu einer Herabstufung der Ratingnote. Die Konsequenz besteht zunächst „nur“ in einer noch geringen Erhöhung seiner Kreditzinssätze. Mittelfristig sind aber etwaige Kreditverlängerungen „in Gefahr“.

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Gemeinsame Initiative hilft

Wie auch immer, auch im Interesse seiner Kollegen und Mitarbeiterinnen muss S. seine Kreditversorgung sicherstellen. Dabei kann ihm eine gemeinsame Initiative der Bürgschaftsbanken und der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften (MBGen) helfen. Im sogenannten Kombiprogramm soll kleinen und mittleren Unternehmen einerseits die Liquiditätssicherung und andererseits die Ausstattung mit wirtschaftlichem Eigenkapital ermöglicht werden. Mit dem Programm sind Finanzierungen zwischen 100 000 und 500 000 Euro möglich, wobei 75 Prozent auf einen durch die jeweilige Bürgschaftsbank verbürgten Hausbankkredit und 25 Prozent auf eine Eigenkapital stärkende Beteiligung der MBG entfallen. S. kann damit seinen Kredit sichern und durch den Beteiligungsbaustein, mit dem sich die Eigenkapitalquote verbessert, auch das Rating der Praxis verbessern. Kreditzinserhöhungen werden so zunächst vermieden.

Inhaber von Praxisgemeinschaften müssen übrigens keine Befürchtungen haben, dass durch einen fremden Kapitalgeber auf das operative Geschäft Einfluss genommen wird. Dies ist ausdrücklich nicht der Fall, da weder Anteile übernommen noch Mitspracherechte eingeräumt werden. Die Unternehmer bleiben daher „Herr im eigenen Hause“, wie es Waltraud Wolf, Vorsitzende des Verbandes deutscher Bürgschaftsbanken, formuliert.

Die Antragstellung bei der jeweiligen Bürgschaftsbank erfolgt über die Hausbank des Kreditnehmers. Wolf: „Die bankübliche Bonitätsprüfung erfolgt gemeinsam durch die Bürgschaftsbank und die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Hand in Hand, um eine schnelle Entscheidung herbeizuführen.“

Wenn ausschließlich eine stille Beteiligung gewünscht wird, können sich Praxisinhaber auch direkt an die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft werden. In solchen Fällen seien, erklärte Wolf, „reine Liquiditätsfinanzierungen aber nicht möglich“.

Michael Vetter

@Weitere Informationen:
www.vdb-info.de, www.bvkap.de

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