ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2010Zukunftskonzept Allgemeinmedizin in Hessen: Schlüsselrolle für die Fakultäten

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Zukunftskonzept Allgemeinmedizin in Hessen: Schlüsselrolle für die Fakultäten

Dtsch Arztebl 2010; 107(26): A-1286 / B-1134 / C-1114

Korzilius, Heike

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Allgemeinmediziner der Universitäten Frankfurt und Marburg haben gemeinsam mit jungen Ärzten in Weiterbildung ein Positionspapier erarbeitet, um dem Hausärztemangel entgegenzuwirken. Sie wollen die Aus- und Weiterbildung besser verzahnen.

Selten wurden die Hausärzte so umworben wie derzeit, denn sie werden Mangelware. Auch in Hessen ist die Versorgung gefährdet, weil in den kommenden Jahren deutlich mehr Hausärzte altersbedingt aus der vertragsärztlichen Versorgung ausscheiden, als junge Kollegen nachrücken. So beschreibt es ein Positionspapier aus den Instituten für Allgemeinmedizin der Universitäten Frankfurt am Main (Prof. Dr. med. Ferdinand Gerlach) und Marburg (Prof. Dr. med. Norbert Donner-Banzhoff), gemeinsam verfasst mit der „Arbeitsgemeinschaft Weiterbildung Allgemeinmedizin Hessen“ und der dortigen Interessenvertretung der angehenden Fachärzte für Allgemeinmedizin.

Um genügend Nachwuchs zu gewinnen, setzen die Autoren dieses „Zukunftskonzepts Allgemeinmedizin Hessen“ unter anderem darauf, Medizinstudierende möglichst früh an das Fach heranzuführen und die hausärztliche Weiterbildung besser zu strukturieren und zu koordinieren – beides Aufgaben, bei denen sich die zwei Institute in Frankfurt und Marburg in einer Schlüsselrolle sehen. Denn: Die Zukunftsperspektive des Facharztes für Allgemeinmedizin sei derzeit gut.

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  • Eine der wichtigsten Maßnahmen zur Förderung der Allgemeinmedizin ist es demnach, Weiterbildungsverbünde zu schaffen. Im Unterschied zu den Spezialisten müssten die angehenden Hausärzte jeweils mehrere Fach- und Stellenwechsel organisieren, um ihre Weiterbildung zu absolvieren – mit allen damit einhergehenden Problemen: „In Hessen ist die Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin zwar formal geregelt, eine konkrete Organisationsstruktur fehlt aber weitgehend“, heißt es in dem Konzept. Durch eine Verbundweiterbildung ließe sich die notwendige Fächerabfolge für die betroffenen Ärzte sowohl im Krankenhaus als auch in der Praxis koordinieren. Das reduziert den Aufwand für die Ärzte in Weiterbildung deutlich und stärkt die Ausrichtung auf das Ziel: die hausärztliche Tätigkeit.
  • Koordinierungsstellen auf Landesebene sollen diese Weiterbildungsverbünde initiieren, unterstützen und koordinieren (siehe Kasten). Im Flächenland Hessen sollen nach dem Konzept zwei Koordinierungsstellen mit unterschiedlichen Schwerpunkten diese Aufgaben wahrnehmen. Angesiedelt wären sie an den Instituten für Allgemeinmedizin der Universitäten Frankfurt am Main und Marburg. Angehenden Hausärzten und potenziellen Weiterbildern würden sie als Anlaufstelle sowie als Stellen- und Praxisbörse dienen.
  • Die Anbindung an die Universitäten hätte nach Ansicht der Autoren den Vorteil, dass die allgemeinmedizinische Weiterbildung wissenschaftlich begleitet und der Austausch zwischen Studierenden und Weiterbildungsassistenten gefördert werden. Vorbild ist hier das Kompetenzzentrum Allgemeinmedizin an der Universität Heidelberg.
  • Verbesserungsbedarf mahnt das „Zukunftskonzept“ auch bei der Weiterbildungsermächtigung an, die die Lan­des­ärz­te­kam­mern bislang fast ausschließlich nach formalen Kriterien erteilen. Die Koordinierungsstellen sollten hier in Kooperation mit den Kammern Auswahl, Qualifizierung und Betreuung der Weiterbildungsbefugten übernehmen, ebenso – im Rahmen von Weiterbildungsverbünden – die Auswahl geeigneter Einrichtungen.
  • Mentoren aus dem Kreis der Weiterbilder, ebenfalls von den Koordinierungsstellen betreut, sollen nach dem Willen der Autoren die allgemeinmedizinischen Assistenten unterstützen. Als Vorbilder könnten sie Motivation und Identifikation mit der hausärztlichen Tätigkeit wesentlich fördern.

Heike Korzilius

Weiterbildung aus einer Hand

Um die Assistenten im Fach Allgemeinmedizin bei der Organisation ihrer Weiterbildung zu unterstützen, haben sich die Kassenärztliche Bundesvereinigung, die Deutsche Krankenhausgesellschaft und der Spitzenverband Bund der Krankenkassen in der neuen „Vereinbarung zur Förderung der Allgemeinmedizin“ darauf geeinigt, bis zum 1. Juli 2010 in den Ländern Koordinierungsstellen einzurichten. Diese sollen in erster Linie Verbünde fördern, die eine Weiterbildung möglichst „aus einer Hand“ gewährleisten.

„Wir sind auf gutem Wege, aber noch nicht am Ziel“, sagt Dr. med. Max Kaplan, Vizepräsident der Bayerischen Lan­des­ärz­te­kam­mer, zum Stand der Umsetzung. In den meisten Ärztekammern laufe die Einrichtung der Koordinierungsstellen „recht positiv“. Allerdings werden die Regelungen von Land zu Land unterschiedlich ausfallen. Zum Teil sollen die Koordinierungsstellen bei den Kassenärztlichen Vereinigungen angesiedelt werden, zum Teil bei den Kammern oder, wie in Hessen, an den Universitäten. Um eine Flächendeckung zu erreichen, ist es nach Ansicht von Kaplan notwendig, dass die ärztlichen Körperschaften die Federführung übernehmen. Aber: „Man sollte auf gar keinen Fall auf das Know-how der Lehrstühle verzichten, beispielsweise bei der didaktischen Schulung der Weiterbildungsbefugten.“

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