ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2010Versorgungsforschung: Anwendung von Barcodes in der Klinik senkt Fehlerrate

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Versorgungsforschung: Anwendung von Barcodes in der Klinik senkt Fehlerrate

Dtsch Arztebl 2010; 107(26): A-1305 / B-1152 / C-1132

Siegmund-Schultze, Nicola

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Medikationsfehler sind häufig in Kliniken. Wie die moderne Informationstechnologie zur Optimierung des Medikationsprozesses beitragen kann, muss für dessen einzelne Phasen evaluiert werden. Forscher am Brigham and Women’s Hospital in Boston, USA, haben prospektiv die Effekte des Barcodings untersucht, nachdem die 735-Betten-Klinik schon vor Jahren eine elektronische Verordnungsunterstützung (Arzneimittelverordnungssystem, CPOE, plus klinischer Entscheidungshilfe, CDS) etabliert hatte. Nun wurde sukzessive das Barcoding von Patienten und Arzneimitteln eingeführt, die Korrektheit der Arzneimittelgabe vor und nach Implementierung kontrolliert und verglichen (6 723 Medikationen mit, 7 218 ohne Anwendung von Barcodes).

Die Rate zeitunabhängiger Fehler wie Dosierung betrug bei den Medikationen ohne Barcode 11,5 Prozent, mit Barcode sank sie auf 6,8 Prozent (relative Reduktion: 41,4 Prozent. Die Rate der potenziellen, klinisch relevanten unerwünschten Arzneimittelwirkungen sank um 50,8 Prozent. Übertragungsfehler traten bei Anwendung von CPOE allein noch bei 6,1 Prozent der Medikationen auf, mit Barcodes wurden sie völlig eliminiert. Zeitfehler bei der Medikation (> 1 h Abweichung von der Verordnung) wurden mit Barcodes um 27,3 Prozent (von 16,7 auf 12,2 Prozent) reduziert. Alle Ergebnisse waren mit p-Werten unter 0,001 hoch signifikant.

Fazit: Die zusätzliche Implementierung von Barcodes in elektronische Verordnungssysteme vermindert Medikationsadministrationsfehler um 40 bis 50 Prozent, sogar in einer Klinik, die bereits hohe Sicherheitsstandards hat. Während CPOE-Systeme vor allem Verordnungsfehler vermeiden, verringern Barcodes vermutlich Flüchtigkeitsfehler beim Ausführen von Verordnungen. „Die Studie ist wegweisend und zeigt, dass elektronische Verordnungsunterstützung plus Barcoding der Goldstandard für die Verordnung und Verabreichung von Arzneimitteln in Kliniken werden sollten“, meint Prof. Dr. med. Daniel Grandt (Saarbrücken). In Deutschland müssten im ersten Schritt validierte CPOE/CDS-Systeme eingeführt werden, im zweiten gelte es, Verteilung und Applikation zu verbessern, zum Beispiel durch Barcodes.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Poon EG et al.: Effect of bar-code technology on the safety of medication administration. NEJM 362, 2010, 1698–1707.

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