ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2010Schlaganfallprophylaxe bei Karotisstenose: Stentimplantation und Endarteriektomie sind gleichwertig

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Schlaganfallprophylaxe bei Karotisstenose: Stentimplantation und Endarteriektomie sind gleichwertig

Dtsch Arztebl 2010; 107(26): A-1304 / B-1151 / C-1131

Vetter, Christine

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Die Frage nach der optimalen Behandlung einer Karotisstenose wird kontrovers diskutiert: chirurgische Entfernung des gefäßverengenden Materials oder Einsetzen eines Stents? Die Ergebnisse der CREST-Studie (Carotid Revascularization Endarterectomy versus Stenting Trial) dürften Klärung bringen – zumindest vorläufig.

In der randomisierten Studie waren 2 502 Patienten (117 Zentren) mit symptomatischer Stenose (vorangegangener Schlaganfall oder transitorische ischämische Attacke) oder asymptomatischer Karotisstenose (hochgradig bei mehr als 80 Prozent der Patienten) mit Stentimplantation oder Endarteriektomie behandelt worden. In der mittleren Nachbeobachtungszeit von 2,5 Jahren ergab sich kein signifikanter Unterschied in der Effektivität, auch nicht für den Vierjahreszeitraum (geschätzt). Der primäre Endpunkt setzte sich zusammen aus Schlaganfall, Myokardinfarkt oder Tod bis 30 Tage nach Intervention und ipsilateraler Schlaganfall innerhalb von vier Jahren nach Therapie. 7,2 Prozent aus der Gruppe mit Stent erreichten den Endpunkt und 6,8 Prozent in der Endarteriektomie-Gruppe (Hazard Ratio für Stent: 1,11 mit 95-%-Konfidenzintervall 0,81 bis 1,51, p = 0,51). Die vordefinierten Subgruppenanalysen ergaben keine signifikanten Unterschiede bei den symptomatischen oder asymptomatischen Patienten (p = 0,84) oder im Hinblick auf das Geschlecht (p = 0,34). Es gab aber Wirksamkeitsunterschiede in Abhängigkeit vom Alter mit einem Crossover etwa um das 70. Lebensjahr (p = 0,02): Die Stentimplantation war bei jüngeren Patienten etwas effektiver, die Endarterieketomie bei älteren Menschen.

Fazit: Stentimplantation und Endarteriektomie sind gleichwertig bei der Therapie von Patienten mit ausgeprägter Karotisstenose, es unterscheiden sich aber die Komplikationen. Bei der Endarteriektomie sind Schlaganfälle seltener (p = 0,01), bei der Stentimplantation Myokardinfarkte (p = 0,03). Der Unterschied ist im Alltag des Patienten relevant: Ein Schlaganfall beeinträchtigt Gesundheitsstatus und Lebensqualität langfristig meist stärker als ein Myokardinfarkt, heißt es im Editorial. Christine Vetter

Brott TG et al.: Stenting versus Endarterectomy for Treatment of Carotid-Artery Stenosis. NEJM 2010/10.1056/NEJMoa0912321, Editorial: Davis, St. M., Donnan, G. A.,
doi: 10.1056 NEJMe1005220.

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