ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2010Depression bei Morbus Parkinson: Dopaminagonist hat direkten, positiven Effekt auf die Stimmung

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Depression bei Morbus Parkinson: Dopaminagonist hat direkten, positiven Effekt auf die Stimmung

Dtsch Arztebl 2010; 107(26): A-1304 / B-1151 / C-1131

Gulden, Josef

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Etwa jeder dritte Parkinsonpatient hat klinisch relevante depressive Symptome, wahrscheinlich mitverursacht durch das Dopamindefizit in subkortikalen Schaltkreisen, welche für die Regulation von Stimmung, Motivation und Belohnung verantwortlich sind. Zur Anwendung von Antidepressiva gibt es wenig Daten, aber in einer internationalen randomisierten placebokontrollierten Doppelblindstudie wurde nun der Dopaminagonist Pramipexol auf seine Wirkung gegen leichte bis mäßige depressive Symptome getestet.

In 76 Zentren wurden 323 Patienten mit medikamentös gut eingestellter Parkinsonerkrankung in die Studie aufgenommen, die Scores von ≥ 5 auf der 15-teiligen Geriatrischen Depressionsskala (GDS-15) und von ≥ 2 in Abschnitt 3 von Teil I der Unified Parkinson’s Disease Rating Scale (UPDRS I) aufwiesen. Ihre motorischen Symptome waren mit Parkinsonmitteln gut kontrollierbar, Dopaminagonisten durften sie in den letzten 30 Tagen nicht eingenommen haben. Sie erhielten für zwölf Wochen Placebo oder Pramipexol, das über die ersten fünf Wochen von 0,125 mg dreimal täglich auf maximal 1 mg dreimal täglich oder bis zu einer Besserung der depressiven Symptomatik anhand der Clinical-Global-Impression-of-Improvement-Skala titriert wurde. Primärer Endpunkt war die Veränderung im Beck’schen Depressions-Inventar (BDI). Die BDI-Werte nahmen in der Pramipexol-Gruppe im Mittel um 5,9, in der Placebo-Gruppe um 4,0 Punkte ab; der Unterschied von 1,9 Punkten (95-%-Konfidenzintervall 0,5–3,4) war auch in der Multivarianzanalyse signifikant (p = 0,01), ähnlich nahmen die motorischen Scores der UPDRS-Skala um 4,4 beziehungsweise 2,2 Punkte (95-%-Konfidenzintervall für die Differenz 0,7–3,7; p = 0,003). Eine Pfadanalyse zeigte jedoch, dass die antidepressive Wirkung des Dopaminagonisten zu 80 Prozent direkt und nicht durch die Verbesserung der Motorik hervorgerufen war (p = 0,04). Nebenwirkungen traten unter Pramipexol kaum häufiger auf als unter Placebo.

Fazit: Pramipexol hat eine direkte, antidepressive Wirkung bei Parkinsonpatienten mit leichter bis mäßiger Depression. „Dies ist die erste große Antidepressiva-Studie bei Morbus Parkinson, obwohl seit geraumer Zeit klar ist, dass Depressionen bei diesen Patienten häufig sind“, kommentiert Prof. Dr. med. Günther Deuschl (Kiel). Weitere Studien zur Pharmakotherapie der Depression bei Parkinsonpatienten würden dringend benötigt. Klinisch besonders interessant wäre ein Vergleich mit einem reinen Antidepressivum ohne Wirkung auf die Parkinsonsymptome, weil Interaktionen zwischen Motorik und Stimmung durch Statistik nur in engen Grenzen auszuschließen seien. Josef Gulden

Barone P et al.: Pramipexole for the treatment of depressive symptoms in patients with Parkinson’s disease: a randomised, double-blind, placebo-controlled trial. Lancet Neurol 9; 2010: 573–80.

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