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Es ist sehr zu begrüßen, dass in einer deutschsprachigen Zeitschrift eine Arbeit veröffentlicht wird über die Vielzahl der Hämoglobinkrankheiten, die es auf Grund der Migration inzwischen in Deutschland gibt. Es ist das Verdienst von Frau Prof. Kohne, in Ulm ein Labor aufgebaut zu haben, das neben hoher diagnostischer Kompetenz auch über Mitarbeiter verfügt, die zu klinischer Beratung befähigt sind. Wahrscheinlich aus Platzgründen geht aus dieser Arbeit nicht hervor, dass Migranten mit den vielfältigen Problemen, die sich aus Trägerschaft (Screening, pränatale Diagnostik) und Hämoglobin-Erkrankung (Betreuung nach neuestem Stand der Wissens) ergeben, alleine gelassen werden. Denn leider sind in der deutschen Ärzteschaft Wissen über Klinik, Diagnostik und Therapie von Hämoglobinkrankheiten nur spärlich vorhanden. Medizinstudenten erfahren weder während des Studiums noch in der Weiterbildung, dass Thalassämien und Hämoglobinopathien heute zum Alltag gehören. Die Mutterschaftsrichtlinien, die in der frühen Schwangerschaft einen Hämoglobinspiegel, nicht aber ein komplettes Blutbild inklusive Erythrozyten-Indices fordern, verhindern, dass Thalassämie-Trägerinnen durch die Mikrozytose frühzeitig erkannt und diagnostiziert werden und gegebenenfalls der Partner untersucht wird. Die Hämoglobinopathie-Vorsorge in der Frauenheilkunde, wie sie im Kasten 2 dargestellt wird, ist ein Wunschtraum, aber keine Realität. Wir brauchen ein Umdenken in der Ärzteschaft und die Einsicht, dass die Hämoglobinkrankheiten der Migranten das gleiche Engagement verdienen wie Krebs und Diabetes.

DOI: 10.3238/arztebl.2010.0494b

Dr. med. Roswitha Dickerhoff

Klinik für Kinder-Onkologie,-Hämatologie und Klin. Immunologie

Moorenstraße 5

40225 Düsseldorf

E-Mail: roswitha.dickerhoff@uni-bonn.de

Interessenkonflikt

Die Autoren beider Diskussionsbeiträge erklären, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.

Die Autoren des Beitrags haben auf ein Schlusswort verzichtet.

1.
Kohne E, Kleihauer E: Hemoglobinopathies in Germany—A longitudinal study over four decades [Hämoglobinopathien – eine Langzeitstudie über vier Jahrzehnte]. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(5): 65–71. VOLLTEXT
1.Kohne E, Kleihauer E: Hemoglobinopathies in Germany—A longitudinal study over four decades [Hämoglobinopathien – eine Langzeitstudie über vier Jahrzehnte]. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(5): 65–71. VOLLTEXT

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