VARIA: Schlusspunkt

Ein Rausch gefällig?

Dtsch Arztebl 1997; 94(38): [36]

Pfleger, Helmut

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LNSLNS Manchmal werde ich aus meinem Freund Dr. Modjtaba Abtahi nicht ganz klug. Nicht etwa weil er Chirurg, oder genauer gesagt Unfallchirurg, ist, nein, dieses Handfeste, Geradlinige flößt einem Internisten und noch mehr Psychotherapeuten eher eine Mischung aus Neid und Bewunderung ein. Aber sagte er doch beim letzten Deutschen Ärzteturnier: "Mit Medizinern Schach spielen, das ist ein ganz besonderes Gefühl." Wie er das wohl gemeint hat? Spielen Mediziner anders Schach? Oder ist es auffallend, daß sie es überhaupt tun? Vielleicht hilft uns ein kleiner Rückblick. Schon im Mittelalter verordneten Ärzte Schach als Therapie. So sollten Melancholiker durchgeplanten Strategien folgen, während sich Phlegmatiker vor allem Schematismus zu hüten hätten. Nach Blick auf viele Partien des Ärzteturniers kann ich Ihnen verraten, daß es sowohl reichlich Melancholiker als auch Phlegmatiker unter den Kollegen gab - zum guten Schluß sind Ärzte möglicherweise auch ganz normale Menschen. Tja, und dann sagte Modjtaba noch etwas: "Schach ist wie schöne Musik - das kann dich in Rausch bringen." Da scheinen mir andere Dimensionen als bei der etwas trocken anmutenden Therapieempfehlung des Mittelalters anzuklingen. Schachrausch: Sicher spürte auch der Sieger des letzten Ärzteturniers, der Dresdner Bundesligaspieler und Ophthalmologe (endlich mal kein Neurologe) Dr. Alexander Goldberg, etwas von diesem beseligenden Zustand, als er im entscheidenden Kampf diese Stellung gegen seinen gefährlichen Konkurrenten Dr. Dirk Wildenrath auf dem Brett hatte.
Mit einem kräftigen Schlußzug krönte er seinen Angriff auf den schwarzen König. Wie? Lösung:


Nach dem Scheinläuferopfer 1. Le6! gab Schwarz bereits auf. Selbstverständlich ist der Läufer tabu: 1. ... Sxe6 2. Dxf7 matt. Auch 1. ... f6 2. Txf6+! gxf6 3. Dxh6+ Ke8 führt zum unmittelbaren Matt durch 4. Dh8+. Stiehlt sich der König mit 1. ... Ke8 in die Mitte davon, so reißt ihm 2. Txf7! den letzten Schutz weg, wobei das "Gegenmatt" 2. ... Dg1+ am perfiden Abzugsschach 3. Tf1+ mit Gewinn der schwarzen Dame scheitert. Einzig mit 1. ... Kg8 hätte Schwarz noch etwas (letztlich vergeblichen) Widerstand leisten können, doch nach 2. Lxf7+ Kh8 (noch am besten) gibt es etliche gute Möglichkeiten für Weiß: z. B. 3. Le8 (droht Tf8+) Sh7 4. Df7 Dc8, und nun setzt das hübsche Damenopfer 5. Dg8+! Kxg8 6. Se7+ Kh8 7. Sg6+ Kg8 8. Lf7+ matt.

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