ArchivDeutsches Ärzteblatt27/2010Schach: Mental oder Kopfsache

SCHLUSSPUNKT

Schach: Mental oder Kopfsache

Pfleger, Helmut

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Foto: Dagobert Kohlmeyer
Foto: Dagobert Kohlmeyer

Robert Harting, Deutscher Meister im Diskuswerfen, sagte einmal über das Geheimnis seines Erfolgs: „Im Sport ist 90 Prozent mental, der Rest ist Kopfsache.“ Vielleicht ist Schach dann doch kein Sport, schließlich spielt dabei die körperliche Fitness eine große Rolle. Nun ist Dr. med. Richard Berthold mental und obendrein auch noch im Kopf unzweifelhaft gut drauf, wofür allein schon seine guten Ergebnisse bei den Ärzteturnieren bürgen, doch besonders stolz ist er auf seine körperliche Leistungsfähigkeit. Wenn manch Teilnehmer zu Mittag eines anstrengenden Tages mit sechs Runden Schnellschachpartien sich mit Kaffee (Jean Paul: „Außer der Philosophie weiß ich kein so gutes Treibmittel des Gehirns als Schach und Kaffee“) oder einem Nickerchen auf die Nachmittagsrunden vorbereitet, dann sieht man ihn durch den Kurpark joggen. Marathons allerorten, ob in Boston oder Eisenach – er war noch nie so fit wie heute, was sich auch in den objektivierbaren Parametern niederschlägt.

Man kann die Wichtigkeit eines gesunden Körpers beim Schach wohl kaum überschätzen. Der ehemalige russische Weltmeister Garry Kasparow, der als Nummer eins der Schachwelt abtrat, um seitdem vor allem einen aussichtslosen Kampf gegen Putin zu führen, hatte immer die Statur eines Preisboxers und lief in seiner besten Zeit die 100 Meter in 11,2 Sekunden; sein Landsmann Wladimir Kramnik hingegen, ebenfalls mit einem Schachtalent sondergleichen gesegnet, machte bei Alkohol- und Rauchgelagen gern die Nacht zum Tage. Bis sich ihm die Gelegenheit bot, im Jahr 2000 gegen seinen früheren Mentor Kasparow um die Weltmeisterschaft zu spielen. Plötzlich waren alle Suchtmittel tabu, statt sich am Nachmittag aus dem Bett zu quälen, hatte die Morgenstund’ Gold im Mund, er machte viel Sport und sah noch nie so gesund und kräftig aus wie vor seinem Wettkampf gegen Kasparow, welchen er dann zur allseitigen Überraschung ohne Verlustpartie schlug. Doch zurück zum Ärzteturnier.

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Dr. med. Jan Wieczorek als Schwarzer, der sich solide aufgebaut und schon zwei weiße Bauern einverleibt hatte, wollte mit seinem letzten aggressiven Zug d5-d4 nicht nur den Springer c3 angreifen, sondern auch seinen eigenen Springer c4 auf e3 in den weißen Eingeweiden einnisten; obendrein drohte er nach 1.Se2 d3! mit einem Matt auf b2. Doch leider ging dieser Schuss nach hinten los. Wie kam Dr. Berthold als Weißer nun entscheidend in Vorteil, wobei er die beengte Lage der schwarzen Dame ausnützte?

Lösung:

Nach 1. Se4! Dg7 2. h6 Dg8 3. Sf6! starb die schwarze Königin einen qualvollen Erstickungstod, eingeklemmt zwischen König und Turm. Hoffnungslos wäre auch der Gegenangriff 1. . . . Sf5 auf die weiße Dame gewesen, weil nach 2. gxf5 Dxf5 der Ansturm in der h-Linie schnell entschieden hätte.

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