ArchivDeutsches Ärzteblatt27/2010Herzinfarkt: Die Zeit bis zur Reperfusion ist entscheidend für das Überleben

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Herzinfarkt: Die Zeit bis zur Reperfusion ist entscheidend für das Überleben

Dtsch Arztebl 2010; 107(27): A-1355 / B-1198 / C-1178

Meyer, Rüdiger

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Eine aktuelle Datenbankanalyse bestätigt, wie wichtig bei einem ST-Hebungsinfarkt (STEMI) die rasche Revaskularisierung der Koronararterie für das Überleben der Patienten ist. Die große Bedeutung des Zeitfaktors war bereits in den randomisierten klinischen Studien zur Fibrinolyse und zur perkutanen koronaren Intervention (PCI) deutlich geworden. Internationale, auch in Deutschland geltende Leitlinien empfehlen deshalb: Vom Eintreffen des Patienten in der Klinik bis zum Beginn der Infusion des Fibrinolytikums sollen nicht mehr als 30 Minuten vergehen. Für die (heute bevorzugte) perkutane koronare Intervention (PCI) wird eine „Door-to-balloon“-Zeit von weniger als 90 Minuten gefordert. Diese Ziele wurden an den Herzzentren des kanadischen Teilstaats Quebec 2006 und 2007 bei weniger als der Hälfte der Patienten erreicht. Da dort alle Angaben elektronisch gespeichert werden, ließen sich die Effekte des Faktors Zeit auf Morbidität und Mortalität der Patienten untersuchen; beide Behandlungen wurden zusammen analysiert.

Das Überschreiten des Zeitlimits verschlechterte die Prognose: Die 30-Tage-Sterberate erhöhte sich von 3,3 auf 6,6 Prozent (adjustierte Odds Ratio 2,14; 95-Prozent-[KI]Konfidenzintervall 1,21–3,93). Für den kombinierten Endpunkt aus Tod oder erneuter stationärer Behandlung wegen Herzinfarkt oder -insuffizienz erhöhte sich das Risiko von 9,2 auf 15 Prozent (adjustierte Odds Ratio 1,57; 95-%-KI 1,08–2,30). Das Einjahressterberisiko stieg nichtsignifikant von 5,2 auf 9,3 Prozent (adjustierte Odds Ratio 1,61; 95-%-KI 1,00–2,66).

Fazit: Wird die Zahl der Patienten, die im Zeitlimit behandelt werden, um zehn Prozent gesteigert, sinkt die 30-Tage-Sterblichkeit um 20 Prozent (Odds Ratio 0,80; 95-%-KI 0,65–0,98). „Zu lange ,Door-to-balloon‘-Zeiten sind auch bei uns ein noch nicht flächendeckend gelöstes Problem“, sagt Prof. Dr. med. Karl Werdan (Universität Halle). Strukturierte „Chest-pain-units“, wie von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie-, Herz- und Kreislaufforschung zertifiziert, könnten das Zeitintervall nachweislich verkürzen helfen und die Prognosen der Patienten entscheidend verbessern.

Rüdiger Meyer

Lambert L et al.: Association between timelines of reperfusion therapy and clinical outcomes in ST-elevation myocardial infarction: JAMA 2010; 303: 2148–55.

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