ArchivDeutsches Ärzteblatt27/2010Ambulante Versorgungszentren: Initiative „von Ärzten für Ärzte“

POLITIK

Ambulante Versorgungszentren: Initiative „von Ärzten für Ärzte“

Dtsch Arztebl 2010; 107(27): A-1342 / B-1186 / C-1166

Stüwe, Heinz

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Eine neue Art ärztlich geleiteter Versorgungszentren will ein Gemeinschaftsunternehmen gründen und betreiben. Ziel ist es, eine Qualitätsmarke zu werden.

Die vor zwei Jahren von Repräsentanten der Kassenärztlichen Vereinigungen eingeleitete Initiative zur Gründung und Führung von ambulanten Versorgungszentren in der Hand von freiberuflich tätigen Ärzten nimmt Konturen an. 40 Vorstandsmitglieder von Kasssenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) und KVen hatten 2008 mit privatem Geld die „Aeskulap-Stiftung“ in Köln gegründet (DÄ, Heft 19/2008). Die Stiftung hat zum einen den Zweck, die ärztliche Aus- und Weiterbildung zu fördern. Zum anderen ist sie indirekt – über ihre Tochtergesellschaft KVmed GmbH, Köln – an einer Aktiengesellschaft beteiligt, die Ärztliche Versorgungszentren aufbauen und betreiben soll. Diese Patiomed AG mit Sitz in Berlin hat jetzt ihre Arbeit aufgenommen.

Anzeige

„Wir wollen einer zunehmenden Fremdbestimmung der ärztlichen Tätigkeit in MVZ-Strukturen, deren Träger sich primär an Renditezielen orientieren, etwas entgegensetzen“, stellte KBV-Vorstand Carl-Heinz Müller, Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung, heraus. „Patiomed ist ein Unternehmen von Ärzten für Ärzte.“ Einen Verdrängungswettbewerb zulasten der Vertragsärzte werde es nicht geben. Die Gesellschafter sind Organisationen der Ärzteschaft: Die KVmed und der Deutsche Ärzte-Verlag steuern jeweils 24 Prozent zum Patiomed-Grundkapital von 20 Millionen Euro bei, die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (Apobank) 49 Prozent, weitere Investoren drei Prozent.

Der Vorstandsvorsitzende der Patiomed AG, Dr. med. Thomas Gardain, Facharzt für Innere Medizin, verfügt über Managementerfahrung unter anderem als Ärztlicher Direktor des Klinikums Saarbrücken und als Medizinischer Direktor der DRK-Kliniken Berlin. „Wir planen eine neue Art ärztlich geleiteter Versorgungzentren“, kündigte Gardain an. Patiomed werde sich fünf Zielen widmen:

  • der Freiberuflichkeit der Ärzte und der freien Arztwahl der Patienten
  • attraktiven Karriereoptionen für junge Ärzte in Voll- oder Teilzeit
  • innovativen Versorgungsangeboten zum Beispiel Ärztlichen Versorgungszentren für unterversorgte Regionen und Zentren mit dem Schwerpunkt ältere Patienten
  • einer leitlinienorientierten Behandlung und
  • dem Aufbau einer Qualitätsmarke.

Wenn Patiomed ein Versorgungszentrum gründet oder übernimmt, soll eine Betriebsgesellschaft der dort tätigen Ärzte die Klammer bilden. Die Ärzte können in allen sozialrechtlich zulässigen Formen ihren Beruf ausüben – in einer Gemeinschaftspraxis, als Praxisgemeinschaft, in einer Partnerschaftsgesellschaft wie bei Anwälten üblich, als Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) oder auch in Einzelpraxen. Die angeschlossenen Ärzte haben den Vorteil, dass sie nicht in Immobilien und Geräte investieren müssen. Das übernimmt Patiomed. „Wir wollen nicht als verlängerte Werkbank einer Klinik arbeiten“, betonte Gardain. Das MVZ mit angestellten Ärzten sei nicht das Leitmodell. Er schloss aber auch nicht aus, dass angestellte Ärzte im Zentrum arbeiten könnten. „Der Primat liegt auf der Freiberuflichkeit.“

Gardain hat sich zum Ziel gesetzt, 40 Zentren bis zum Jahr 2020 zu gründen und zu entwickeln. Hinzu kommen sollen 30 Übernahmen bestehender Zentren, so dass der Verbund in zehn Jahren 70 Ärztliche Versorgungszentren umfassen könne. Gardain kann sich zudem vorstellen, dass 30 weitere Versorgungszentren eigenständig bleiben und nur Dienstleistungen von Patiomed in Anspruch nehmen oder sich dem Qualitätsmanagement anschließen. Sollten diese Ziele erreicht werden, würde Patiomed im Jahr 2020 als Träger, Betreiber oder Dienstleister für 100 Ärztliche Versorgungszentren auftreten. Ein Gang an die Börse ist nicht geplant.

Patiomed hat bereits jetzt eine Reihe von Kooperationspartnern gewonnen. Dazu gehören die Asklepios-Kliniken GmbH und eine Tochtergesellschaft der Privatärztlichen Verrechnungsstellen, die sich über die KVmed GmbH beteiligt haben. Weitere Partnerschaften, beispielsweise mit Unternehmen der Medizintechnik, sind geplant. Eine rechtliche Verpflichtung, nur Leistungen dieser Anbieter in Anspruch zu nehmen, bestehe für die Versorgungszentren nicht, hieß es.

Die Initiatoren hoffen, dass Patiomed für junge Ärztinnen und Ärzte attraktiv ist, von denen viele keine eigene Praxis anstreben. Herbert Pfennig, Sprecher des Vorstands der Apobank, verwies darauf, dass die Zahl der Existenzgründungen durch Ärzte seit 2007 von 4 269 auf 3 442 gesunken sei. Er hält es deshalb für dringend notwendig, neue Versorgungsmodelle wie bei Patiomed zu etablieren: „Hier können Ärzte ohne großen Kapitaleinsatz selbstständig und flexibel ihren Beruf ausüben.“

Heinz Stüwe

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema