ArchivDeutsches Ärzteblatt27/2010Mammakarzinom: Konzepte mit Docetaxel ersetzen Anthrazykline

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Mammakarzinom: Konzepte mit Docetaxel ersetzen Anthrazykline

Dtsch Arztebl 2010; 107(27): A-1368

Junker, Annette

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Immer neue Kombinationen aus Chemo- und zielgerichteter Therapie werden geprüft, um die Verträglichkeit für die Patientinnen zu verbessern.

Patientinnen mit Brustkrebs haben anscheinend keinen prognostischen Nachteil, wenn die Anthrazyklin-haltigen Therapien teilweise oder ganz durch Docetaxel oder eine Docetaxel-Kombination ersetzt werden. In Studien im Vergleich mit den bisherigen Standards zeigten diese Strategien eine vergleichbare Effektivität bei zum Teil besserer Verträglichkeit.

Eine sequenzielle Behandlung mit Epirubicin plus Cyclophosphamid, gefolgt von Docetaxel (EC-Doc), war bei Patientinnen mit Lymphknotenbefall (N > 3) genauso effektiv, aber weniger toxisch als das Standardschema nach Levine (1) mit Epirubicin plus 5-Fluorouracil (5-FU) und Cyclophosphamid (FEC). „Auf Basis der Ergebnisse der Phase-III-Studie ADEBAR* haben wir einen sehr guten Hinweis auf gleichwertige Überlebensdaten von FEC und EC-Doc, aber eine höhere Toxizität von FEC“, resümierte Prof. Dr. med. Wolfgang Janni (Düsseldorf). „Sowohl die hämatologische als auch die nichthämatologische Toxizität war im FEC-Arm signifikant höher als im EC-Doc-Arm.“

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Insgesamt 1 502 Patientinnen mit Brustkrebs und mehr als drei axillären Lymphknotenmetastasen wurden randomisiert und erhielten entweder

  • vier Zyklen des sequenziellen Anthrazyclin-Docetaxel-Regimes EC-Doc (90 mg/m2 Epirubicin plus 600 mg/m2 Cyclophosphamid für 21 Tage, gefolgt von vier Zyklen Docetaxel 100 mg/m2 für 21 Tage) oder
  • sechs Zyklen der hochdosierten Polychemotherapie FEC (60 mg/m2 Epirubicin an Tag 1 und 8 und 500 mg/m2 5-FU an Tag 1 und 8 sowie 75 mg/m2 Cyclophosphamid an Tag 1 bis 14, alle vier Wochen).

Das Gesamtüberleben unterschied sich nicht signifikant (p = 0,99). Wegen der höheren Toxizität waren supportive Maßnahmen wie eine antibiotische Therapie, Wachstumsfaktor G-CSF und Erythropoetin aber im FEC-Arm häufiger notwendig.

Nutzen-Risiko-Bewertung der Anthrazykline

Die Ergebnisse der dritten Analyse der BCIRG-006-Studie zeigen, dass eine Anthrazyklin-freie Therapie für Patientinnen mit HER2-positivem Brustkrebs möglich ist (3). Bisher hatten sich die Anthrazykline aufgrund einer Verbesserung des Rückfallrisikos in der adjuvanten Therapie in den letzten Jahren etabliert. Dieser Benefit geht allerdings mit einer erhöhten Kardiotoxizität einher. Das war die Rationale, in der BCIRG-006-Studie ein Anthrazyklin-freies Schema zu testen.

In der dreiarmigen Studie wurden HER2-positive Patientinnen mit frühem Mammakarzinom und axillärem Lymphknotenbefall im Standardarm mit Doxorubicin/Cyclophosphamid, gefolgt von Docetaxel (ACT), behandelt. ACT wurde entweder gegen Doxorubicin/Cyclophosphamid/Docetaxel und Trastuzumab (AC-TH) oder Docetaxel/Carboplatin und Trastuzumab (TCH) getestet. TCH erwies sich als signifikant besser wirksam als ACT. Die Progressionshäufigkeit unterschied sich in den Gruppen AC-TH und TCH nicht signifikant. Bemerkenswert war aber, dass in der TCH-Gruppe signifikant weniger kongestive Kardiomyopathien auftraten (21 versus 4; p < 0,001). Die linksventrikuläre Auswurffraktion als Zielparameter für die Funktionalität des Herzens war in der TCH-Gruppe über den gesamten Zeitraum der Auswertung von vier Jahren besser als in den beiden Vergleichsarmen.

Nach Meinung von Dr. Dennis Slamon (University of California, Los Angeles, USA) untermauern diese Ergebnisse die seit langem bestehende Expertenansicht, dass Anthrazykline häufig umgangen werden können – insbesondere bei Patienten mit kardialer Vorschädigung. Vor allem bei diesen Patienten sollte nach Angabe von Slamon nur noch das TCH-Schema eingesetzt werden, bei allen anderen kann es als eine äquivalente Alternative zu Anthrazyklin-haltigen Regimen in Erwägung gezogen werden.

Frauen mit HER2-positivem Brustkrebs profitieren von einem Beginn der Trastuzumab-Therapie bereits zusammen mit der Taxansequenz der Chemotherapie. Nach fünf Jahren wurde bei ihnen eine um 25 Prozent bessere Rate an krankheitsfreiem Überleben erreicht als bei den Patientinnen, die erst im Anschluss an die Taxansequenz Trastuzumab bekamen (84,2 Prozent versus 79,8 Prozent, p = 0,019) (4). In der Studie erhielten 3 505 Patienten zunächst vier Zyklen AC (q 21d), gefolgt Paclitaxel (wöchentlich über drei Monate).

Das Protokoll sah außerdem die anschließende Gabe von Trastuzumab über 52 Wochen, den Verzicht auf Trastuzumab beziehungsweise die gleichzeitige Gabe von Trastuzumab ebenfalls über 52 Wochen vor. „Auf der Basis dieser positiven Nutzen-Risiko-Analyse kann nur empfohlen werden, Trastuzumab bereits zusammen mit dem Taxan zu verabreichen“, konstatierte Prof. Dr. med. Wolfgang Eiermann (München).

Dr. rer. nat. Annette Junker

*ADEBAR = Adjuvant Treatment of Breast Cancer Patients With Extensive Lymph Node Involvement

San Antonio Breast Cancer Symposium (SABCS) 2009: „Neue Therapieperspektiven bei der Therapie des frühen und metastasierten Mamma-Ca“ in Dresden, Firma Sanofi-Aventis

@Literatur im Internet: www.aerzteblatt.de/lit2710

1.
Levine, et al.: JCO 16, No. 8, 1998, 2651–8. MEDLINE
2.
Janni, et al.: Poster Discussion 6; A603; SABCS 2009.
3.
Slamon, et al.: General Session 5; A62; SABCS 2009.
4.
Perez, et al.: General Session 6; A80; SABCS 2009.
5.
Ewertz, et al.: General Session 1; A18; SABCS 2009.
6.
Kwan, et al.: General Session 1; A17; SABCS 2009.
1.Levine, et al.: JCO 16, No. 8, 1998, 2651–8. MEDLINE
2. Janni, et al.: Poster Discussion 6; A603; SABCS 2009.
3. Slamon, et al.: General Session 5; A62; SABCS 2009.
4. Perez, et al.: General Session 6; A80; SABCS 2009.
5. Ewertz, et al.: General Session 1; A18; SABCS 2009.
6. Kwan, et al.: General Session 1; A17; SABCS 2009.

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