ArchivDeutsches Ärzteblatt27/2010Pflegekräfte: Historische Anmerkung
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. . . Dr. med. Birgit Hibbeler schreibt, es bestünden die alten Komplexe der Pflegenden, dass „keiner unsere Arbeit schätze und niemand uns ernst nehme“. Diese Sorgen würden einige Ärzte mit einer „gewissen Genugtuung erfüllen“ . . . Die Teamarbeit beider Professionen werde besonders in Deutschland vermisst.

Diese beiderseits unerfreuliche Einstellung ist nicht neu. Bereits vor mehr als 150 Jahren haben Ärzte ähnlich gedacht und die Pflege nicht wertgeschätzt. Verlässliche Aussagen der damaligen Zeit weisen darauf hin, dass die Mehrzahl der Ärzte dem Anliegen der Krankenpflege eher ablehnend gegenüberstanden. Krankenpflegekräfte, die im 18. und beginnenden 19. Jahrhundert noch als Wärter bezeichnet wurden (Wärterinnen gab es kaum), kamen vorwiegend aus ungebildeten, oft auch asozialen Schichten und waren in keiner Weise ausgebildet. Im Gegensatz zu den Hebammen gab es keine geregelte Ausbildung. Besonders negativ äußerten sich damals auch die Ärzte der Charité über das dort tätige Wartepersonal. Noch 1898 wurde die im preußischen Medizinalgesetz festgeschriebene Auffassung gerichtlich bestätigt, dass „Krankenpflegepersonen dem Arzt als Diener, als unselbstständige Hilfspersonen zur Seite stehen“. Sie gehörten zum Dienst- und Wartepersonal, nicht zum medizinischen Dienst . . .

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Das Ansehen der Krankenpflege besserte sich erst 1957, als sich freie Schwesternschaften bildeten und die staatliche Krankenpflegeausbildung gesetzlich eingeführt wurde. Die Schwestern der Mutterhäuser genossen dagegen wegen ihr oft persönlichen und liebevollen Zuwendung zum Kranken seit Beginn des Mutterhauswesens in der Mitte des 19. Jahrhunderts ein gutes Ansehen. Jetzt muss es endlich zu einem vernünftigen, gleichwertigen Miteinander in der medizinischen Versorgung kranker Menschen kommen, zu einer anerkannten Teamarbeit. Ich denke, wir sind auf dem besten Wege.

Dr. med. Horst Isermann,
27356 Rotenburg/Wümme

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