ArchivDeutsches Ärzteblatt27/201020. Sächsischer Ärztetag: Den Nachwuchs im Blick

POLITIK

20. Sächsischer Ärztetag: Den Nachwuchs im Blick

Dtsch Arztebl 2010; 107(27): A-1343 / B-1187 / C-1167

Richter-Kuhlmann, Eva

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Mit verschiedenen pragmatischen Maßnahmen versucht die Sächsische Lan­des­ärz­te­kam­mer, jungen Ärztinnen und Ärzten den Rücken zu stärken und den Ärztemangel zu mildern.

Von Nostalgie war nichts zu spüren auf dem 20. Sächsischen Ärztetag am 18. und 19. Juni in Dresden. Im Gegenteil: Die sächsischen Ärztinnen und Ärzte richteten ihren Blick in die Zukunft und diskutierten die Aus- und Weiterbildung der künftigen Ärztegeneration.

Wirbt für veränderte Zugangskriterien zum Medizinstudium: Kammerpräsident Prof. Dr. med. Jan Schulze
Wirbt für veränderte Zugangskriterien zum Medizinstudium: Kammerpräsident Prof. Dr. med. Jan Schulze
Anzeige

Um dem Ärztemangel in Sachsen entgegenzuwirken, beschloss das Ärzteparlament, dem Nachwuchs einen finanziellen Vorteil zu gewähren. So müssen Ärztinnen und Ärzte, die nach ihrer Weiterbildung erstmalig eine Facharztprüfung bei der Sächsischen Lan­des­ärz­te­kam­mer ablegen, von Juli an keine Gebühr mehr zu zahlen. „Ich möchte mit dieser Gebührenänderung ein Zeichen für die jungen Ärzte setzen und diese ermutigen, ihre Weiterbildung in Sachsen zu absolvieren und auch hier ihre Prüfung abzulegen“, erläuterte Prof. Dr. med. Jan Schulze, Präsident der Sächsischen Lan­des­ärz­te­kam­mer.

Diese Maßnahme reiht sich ein in die strukturellen Verbesserungen, mit denen die sächsische Ärzteschaft bereits seit einigen Jahren versucht, Nachwuchs zu gewinnen und zu halten. So finden seit 2005 Informationsveranstaltungen für Absolventen der Medizinischen Fakultäten in Leipzig und Dresden statt; im vergangenen Jahr etablierte sich das Netzwerk und die Koordinierungsstelle „Ärzte für Sachsen“.

Um Defizite innerhalb der Weiterbildung in Sachsen auszuräumen, beleuchtete die Lan­des­ärz­te­kam­mer diese mit einer Befragung der Weiterbildungsbefugten im vergangenen Jahr. „Ab 2011 werden wir uns jedoch auch an dem bundesweiten Projekt ,Evaluation der Weiterbildung‘ der Bundes­ärzte­kammer beteiligen, so dass ein Vergleich der Qualität der Weiterbildung zwischen allen Bundesländern und über Jahre möglich wird“, erklärte der Präsident gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt.

Verbesserungen will der Sächsische Ärztetag aber auch bereits für Medizinstudierende erzielen. Er fordert unter anderem, die Vorschriften in der Approbationsordnung für Ärzte zu ändern und das praktische Jahr (PJ) attraktiver und praxisnäher zu gestalten. So sollten PJ-Studierende in allen qualifizierten Krankenhäusern, auch in solchen ohne den Status Lehrkrankenhaus eingesetzt werden können. „Es ist an der Zeit, den Ruf der Studenten nach einer Öffnung des Zugangs zu den Versorgungskrankenhäusern im PJ wahrzunehmen“, betonte Schulze. Studierende seien in spezialisierten Einrichtungen oftmals überfordert. Die daraus resultierende Demotivierung und Demoralisierung würden häufig als ein Grund für die Abwanderung in nichtmedizinische Tätigkeiten oder ins Ausland genannt, erklärte er.

Keine Gebühr für die Facharztprüfung: Die Kammer beschloss mehrheitlich eine Änderung der Gebührenordnung. Foto: Sächsische Landesärztekammer
Keine Gebühr für die Facharztprüfung: Die Kammer beschloss mehrheitlich eine Änderung der Gebührenordnung. Foto: Sächsische Lan­des­ärz­te­kam­mer

Änderungsbedarf sieht der Sächsische Ärztetag auch bei den Zugangskriterien für die Studienplatzvergabe an den medizinischen Fakultäten. Die Delegierten wollen vor Studienbeginn geleistete Praktika oder eine abgeschlossene medizinische Berufsausbildung in viel höherem Maß bei der Auswahl der Medizinstudierenden berücksichtigt wissen. Eine Abschaffung des Numerus clausus lehnen sie jedoch ab. „Der Ärztemangel steht in keinem Zusammenhang zur Zulassungspraxis zum Studium und der Abbrecherquote“, stellte Prof. Dr. med. Christoph Baerwald klar, Studiendekan Humanmedizin der Universität Leipzig. Im Gegenteil: Die Abbrecherquote liege seit Jahren in der Medizin im besonders niedrigen Bereich, verglichen mit anderen Studiengängen.

Mittlerweile hätten 23 von 35 medizinischen Fakultäten in Deutschland ein eigenes Auswahlverfahren, berichtete Prof. Dr. Peter Dieter, ehemaliger Studiendekan Humanmedizin der Technischen Universität Dresden. Nach seiner Ansicht muss gezielt eine Kombination aus Abiturnote, Kriterien für den Studienerfolg und Kriterien für den Berufserfolg maßgeblich sein, nach dem sich die Hochschulen bei der Auswahl richten können.

Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema