ArchivDeutsches Ärzteblatt27/2010Sucht ist kein Verbrechen

MEDIZINREPORT

Sucht ist kein Verbrechen

Dtsch Arztebl 2010; 107(27): A-1352 / B-1196 / C-1176

Zylka-Menhorn, Vera

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Mit der „Wiener Erklärung“ anlässlich der bevorstehenden 18. Weltaidskonferenz plädieren die Internationale Aids-gesellschaft (IAS), das Zentrum für Exzellenzforschung über HIV/Aids der kanadischen Provinz British Columbia und das Internationale Zentrum für Wissenschaft in der Drogenpolitik für eine Drogenpolitik auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse. „Viele Aidsforscher und HIV-Betreuer sehen jeden Tag die verheerenden Effekte von falschen Strategien in der Drogenpolitik. Sie heizen die Aidsepidemie noch weiter an und bedeuten Gewalt, steigende Kriminalitätsraten und die Destabilisierung ganzer Staaten. Trotzdem gibt es noch keinen Beweis, dass sie den Drogenkonsum oder die Versorgung mit Drogen reduzieren“, erklärte dazu Prof. Dr. med. Julio Montaner als Präsident der IAS.

Als Wissenschaftler sei man verpflichtet, Strategien auf der Basis von gesicherten Erkenntnissen vorzuschlagen. In Sachen illegaler Drogen würden sie dort beginnen, wo man „Sucht als Krankheit und nicht als Verbrechen“ akzeptiere. Gesetzliche Barrieren gegenüber wissenschaftlich belegten positiven Konsequenzen von Programmen wie Nadeltausch und Opiatsubsitutionstherapie würden Hunderttausende neue Infektionen mit HIV und Hepatitis pro Jahr verursachen. Die Kriminalisierung von i.v.-Drogenkonsumenten würde aktuell Rekordzahlen bei den Inhaftierungen und gleichzeitig hohe Ausgaben für die Gefängnisse bedeuten. Zu den ersten Unterzeichnern der „Wiener Erklärung“ gehört Françoise Barre-Sinoussi, die 2008 mit Luc Montagnier für die Entdeckung des HI-Virus den Medizin-Nobelpreis erhalten hat. zyl

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