ArchivDeutsches Ärzteblatt PP7/2010Psychoanalyse: Gefahren therapeutischer Verstrickungen

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Psychoanalyse: Gefahren therapeutischer Verstrickungen

PP 9, Ausgabe Juli 2010, Seite 325

Kattermann, Vera

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Die Behandlung von Borderline-Patienten ist aufgrund ihrer Herausforderungen an das psychotherapeutische Handeln ein vielfach diskutiertes Thema. Heinz Weiß ist ein international bekannter Vertreter der kleinianischen Psychoanalyse und beschreibt in seinem Buch detailliert das klinische Bild der Borderline-Pathologie auf. Eindringlich geht er auf die Gefahren therapeutischer Verstrickungen in destruktive Prozesse ein, die exemplarisch für die Beziehungswelt der Patienten sind. Dabei sind die Rückzüge in zeitlose Zustände von zentraler Bedeutung, welche den therapeutischen Prozess behindern oder gar stagnieren lassen können. Sie dienen nach der kleinianischen Theorie der Abwehr unerträglicher Gefühle wie Trauer, Hass oder Schuld. Der Autor weist zudem auf ein agora-klaustrophobes Dilemma der Borderline-Patienten hin, die meist weder Nähe noch Abstand zum anderen ertragen, weil sie sich entweder eingeschlossen oder panisch verlassen fühlen. Aus diesem Dilemma her- aus müssen sie den Behandler kontrollieren, um ihr psychisches Gleichgewicht nicht zu gefährden.

Basierend auf seinen Überlegungen diskutiert Weiß verschiedene Therapiemöglichkeiten, durch ein taktvoll-vorsichtiges Aufdecken der zugrundeliegenden Strukturen. Wesentlich ist dabei das Durcharbeiten der projektiven Identifizierungen in der Gegenübertragung, über die die abgewehrten Gefühle dem Patienten zugänglich gemacht werden können.

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Anhand vieler, ausführlicher Kasuistiken und in gut verständlicher Sprache erklärt das Buch zentrale Konzepte der kleinianischen Psychoanalyse. Es dürfte jedoch überwiegend die Kollegen ansprechen, die bereits mit dieser Theorie vertraut und von ihrem therapeutischen Nutzen überzeugt sind. Skeptiker dürften sich stellenweise schwertun, den Argumentationen zu folgen, zumal Weiß überwiegend Borderline-Patienten vorstellt, die sich recht problemlos auf den Behandlungsrahmen einlassen konnten. Gerade das Grenzen austestende Agieren ist aber häufig das Schwierigste in der Therapie. So liest sich das Buch zwar als spannender und auch hilfreicher, für sich allein genommen jedoch nicht erschöpfender Erklärungs- und Behandlungsansatz. Vera Kattermann

Heinz Weiss: Das Labyrinth der Borderline-Kommunikation. Klinische Zugänge zum Erleben von Raum und Zeit. Klett-Cotta, Stuttgart 2009, gebunden, 29,90 Euro

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