ArchivDeutsches Ärzteblatt PP7/2010Behandlungserfolg: Therapeuten übersehen Verschlechterungen

Referiert

Behandlungserfolg: Therapeuten übersehen Verschlechterungen

PP 9, Ausgabe Juli 2010, Seite 324

MS

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Im Verlauf von Psychotherapien verschlechtert sich gelegentlich der Zustand des Patienten. Psychotherapieforscher um Derek Hatfield von der Indiana University, USA, haben untersucht, wie zuverlässig Psychotherapeuten mögliche Verschlechterungen des Zustands ihrer Patienten erkennen. Sie erhoben die Selbsteinschätzungen von Patienten während mehrerer Therapiesitzungen und verglichen sie mit den Einschätzungen von Therapeuten. „Nur 21 Prozent der Therapeuten erkannten im Verlauf der Therapie, dass sich der Zustand eines Patienten verschlechterte“, berichten die Wissenschaftler. Selbst nach mehreren Therapiesitzungen war die Mehrheit der Therapeuten nicht in der Lage, eine Verschlechterung festzustellen. Auf die Frage, an welchen Indikatoren sie erkennen, dass ein Patient Rückschritte macht, antworteten die Therapeuten, dass sie dies hauptsächlich an Verschlechterungen beziehungsweise Verstärkungen spezifischer Symptome festmachten. Andere Methoden oder Indikatoren nutzen sie hingegen nicht. In einer zweiten Befragung interessierten sich Hatfield und Kollegen dafür, was Therapeuten tun, wenn sie Verschlechterungen feststellen. Es zeigte sich, dass Therapeuten häufig erwägen, zusätzlich Psychopharmaka einzusetzen. Manche dachten auch daran, die Zahl der Therapiestunden zu erhöhen, sich mehr Informationen zu beschaffen, motivierende Gespräche mit dem Patienten zu führen oder die Therapie zu modifizieren. Einige setzten ihre Therapie auch wie bisher fort und warteten ab. Angesichts der unterentwickelten Fähigkeit vieler Therapeuten, Verschlechterungen während des Therapieprozesses rechtzeitig zu erkennen, raten die Autoren dazu, standardisierte Therapieevaluationsverfahren hinzuzuziehen. ms

Hatfield D, McCullough L, Frantz S, Krieger K: Do we know when our clients get worse? An investigation of therapists’ ability to detect negative client change. Clinical Psychology & Psychotherapy 2010; 17(1): 25–32.
Derek Hatfield, 218 Uhler Hall, Indiana University of Pennsylvania, Indiana, PA 15701 (USA), E-Mail: hatfield@iup.edu

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema