ArchivDeutsches Ärzteblatt PP7/2010Schieflage: Fantasiezahlen
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[. . .] Es wird der Eindruck erweckt, Psychologische Psychotherapeuten würden in dieser Arbeit 74 Prozent der finanziellen Ressourcen aufbrauchen.

Ich verwehre mich ausdrücklich gegen eine solche diskriminierende und inhaltlich falsche Darstellung meines Berufsstands, die in Ihrer Zeitschrift – leider nicht zum ersten Mal – kolportiert wird, und fordere eine Klarstellung dieser Aussagen. Eine differenziertere Darstellung der Arbeitsweise der unterschiedlichen Fachgruppen und insbesondere der Psychologischen Psychotherapeuten in der Behandlung psychisch kranker Menschen ist hier notwendig.

So ist klarzustellen, dass Psychologische Psychotherapeuten sehr wohl mit schwer psychisch und chronisch kranken Menschen arbeiten. Einzig die Verschreibung von Medikamenten ist Psychologischen Psychotherapeuten aus rechtlichen und berufshistorischen Gründen (bisher) nicht erlaubt. Hier arbeiten wir jedoch jeweils mit den örtlichen Psychiatern und/oder Hausärzten zusammen, die – in der Regel im fachlich-kollegialen Informationsaustausch problemlos – unseren aus dem engen Kontakt mit den Patienten entwickelten Behandlungsvorschlägen entsprechend die Medikation ausrichten. Die weitere Psychotherapie, welche neben der oftmals notwendigen medikamentösen begleitenden Unterstützung durchgeführt wird, wird dann zum größten Teil von Psychologischen Psychotherapeuten geleistet. Ebenfalls klarzustellen ist der in Ihrem Artikel erweckte Eindruck, Psychologische Psychotherapeuten würden sich quasi den größten Teil des Honorarkuchens für minderqualifizierte Arbeit abschneiden. Die Realität sieht anders aus. Abgesehen davon, dass sowohl die ärztlichen Kollegen und Kolleginnen als auch wir Psychologischen Psychotherapeuten unter den geringen Honorarzahlungen leiden müssen, stellen die Psychologischen Psychotherapeuten die mit Abstand geringst bezahlte Fachgruppe unter allen approbierten Heilberuflern dar, und dies trotz gleichwertiger (und gleich teurer) postgraduierter Ausbildung. Einzig die Tatsache, dass Psychologische Psychotherapeuten zahlenmäßig die inzwischen größte „Facharztgruppe“ darstellen, erklärt den Umstand, dass unser Honoraranteil „74 Prozent der Ressourcen“ für die Behandlung psychischer Erkrankungen ausmacht (zu erklären wäre im Übrigen, woher die Angabe der 74 Prozent kommt, da solche Fantasiezahlen leider oftmals ebenfalls unreflektiert genannt werden).

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Auf alle diese Umstände wird jedoch klärend in keiner Weise in Ihrem Artikel aufmerksam gemacht. Aus diesem Grund fordere ich Sie eindringlich auf, künftig auf die Darstellung solch einseitiger und fachlich falscher Mitteilungen zu verzichten oder sie zumindest kritisch zu hinterfragen.

Dipl.-Psych. Roland Hartmann, Psychotherapeutische Praxis, 85221 Dachau

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