ArchivDeutsches Ärzteblatt PP7/2010DRG in der Psychiatrie: Umstrittener OPS bleibt bestehen

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DRG in der Psychiatrie: Umstrittener OPS bleibt bestehen

PP 9, Ausgabe Juli 2010, Seite 295

Meißner, Marc

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Psychiatrische und psychosomatische Kliniken müssen seit diesem Jahr ihre Leistungen anhand eines Operationen- und Prozedurenschlüssels (OPS) erfassen. Trotz heftiger Kritik am OPS-Katalog lehnte das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium eine Revision vor 2011 ab.

Foto: ddp
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Seit Januar 2010 gilt für die stationäre Behandlung psychiatrischer und psychosomatischer Erkrankungen ein neuer Operationen- und Prozedurenschlüssel, nach dem die erbrachten Leistungen codiert werden müssen. Nach heftiger Kritik an der Ausgestaltung des OPS-Katalogs erklärte sich das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium (BMG) bereit, diesen zum 1. Juli 2010 zu überarbeiten. Die Selbstverwaltung konnte dazu entsprechende Vorschläge einreichen, allerdings mit der Vorgabe, dass die schon erhobenen Daten weiter verwendet werden können. Nach Prüfung der eingereichten Vorschläge lehnte das BMG allerdings eine vorgezogene Revision ab. Damit erscheint erst 2011 ein überarbeiteter OPS-Katalog. „Der Dokumentationsaufwand der Krankenhäuser wäre weitgehend nur vordergründig vermindert worden“, begründet das Ministerium in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der SPD an die Bundesregierung die Entscheidung. „Dies hätte jedoch die Informationsgrundlage für das neue Entgeltsystem verschlechtert.“ Außerdem reiche die Zeit für die Softwarehersteller nicht, um ihre Produkte entsprechend anzupassen.

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Anlass für die Einführung eines OPS ist die Reform des Entgeltsystems für psychiatrische und psychosomatische Einrichtungen. Dieses soll bis 2013 auf eine pauschalierte und leistungsbezogene Vergütung umgestellt werden. Vorbild für die Reform ist das DRG-System (Diagnosis Related Groups) der somatischen Kliniken. Allerdings sollen für psychiatrische, psychotherapeutische und psychosomatische Behandlungen Tagespauschalen eingeführt werden und nicht Fallpauschalen wie in der Somatik.

Verbände unterstützen die Vergütungsreform

Klinikträger und Fachverbände unterstützen diese Vorgaben des Gesetzgebers für das neue Entgeltsystem. Kritik gab es jedoch Ende 2009 für den vom Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information her- ausgegebenen OPS-Katalog: Dieser erfasst Therapieeinheiten von 25 Minuten sowie die Berufsgruppe des Behandlers. Darüber hinaus gibt es für Intensivbehandlungen eigene Abrechnungsziffern. Bemängelt wurde zum einen, dass lediglich 25-minütige Therapieeinheiten berücksichtigt werden, da so nur ein Teil der tatsächlich erbrachten Leistungen erfasst würde. Darüber hinaus kritisierte man den zusätzlichen administrativen Aufwand.

In seiner Antwort auf die Kleine Anfrage stellt das BMG klar, dass die über den OPS codierten Leistungen bekanntermaßen nur einen Ausschnitt der erbrachten Leistungen darstellen. Sämtliche anfallenden Kosten würden mit allen Patienten beziehungsweise den anfallenden Pflegetagen verrechnet, so dass keine Ausgaben unberücksichtigt blieben.

Karl-Heinz Tuschen, ehemaliger Leiter des Referats „Wirtschaftliche Fragen der Krankenhäuser“ im BMG, unterstützt die Entscheidung des Ministeriums. „Die Daten aus dem ersten Jahr sind ohnehin ungenau“, betonte er Ende Juli auf der I.O.E.-Fachtagung „Neues Entgeltsystem für Psychiatrie und Psychosomatik“ in Düsseldorf. Es sei aber wichtig, erstmal einen einheitlichen Datensatz zu haben, mit dem man kalkulieren könne. Da das Vergütungssystem als lernendes System angelegt sei, würden sich Fehler später korrigieren lassen. „Man wird dem Katalog Zeit geben müssen, bis er funktioniert – aber er wird Jahr für Jahr besser werden“, sagte Tuschen.

Dr. rer. nat. Marc Meißner

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