ArchivDeutsches Ärzteblatt PP7/2010August Vibert (1922–2005): Frauenbildnis

KUNST UND SEELE

August Vibert (1922–2005): Frauenbildnis

PP 9, Ausgabe Juli 2010, Seite 290

Schwarm, Thomas

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Frau in Pink – auf türkisfarbenem Hintergrund malte Vilbert in grellen Farben dieses Frauenbildnis. Dabei verzichtet er auf eine detaillierte Darstellung und verwendet skizzenhafte Formen. Foto: Eberhard Hahne
Frau in Pink – auf türkisfarbenem Hintergrund malte Vilbert in grellen Farben dieses Frauenbildnis. Dabei verzichtet er auf eine detaillierte Darstellung und verwendet skizzenhafte Formen. Foto: Eberhard Hahne

August Vibert erkrankte 1947, innerhalb kurzer Zeit verschlimmerten sich seine Symptome. Jahrelang lebte er in sich zurückgezogen, kapselte sich von der Umwelt ab, litt unter Wahnvorstellungen und katatonen Zuständen. Mitte der 80er Jahre entwickelte Vibert wieder Interessen und wurde aktiv. In dieser Zeit begann er an der Kunsttherapie teilzunehmen.

Das Bildbeispiel zeigt eine weibliche Figur. Grellbunt auf türkisblauem Grund. Pinkfarben hervorgehoben kommt die Figur dem Betrachter entgegen. Das Zentrum bildet das Gesicht, umrahmt von einem gelb kolorierten Strahlenkranz, einer Sonne. Zugleich erinnert es an das ungebändigte Haar einer Löwenmähne oder das Schlangenhaar eines Medusenhaupts. Solche Haare, raumgreifende Linien, die aus der Konturlinie des Kopfes sprießen, mitunter in Schnörkeln endend, zieren jede Frauendarstellung Viberts. Lediglich Konturen umschreiben die Formen von Augen, Nase und Mund. Das Gesicht zeigt einen seltsam leeren Ausdruck. Augen und Mund erscheinen wie hohle Öffnungen, sie üben eine Anziehungskraft aus. Zudem wirkt die Figur kurios, durch die Kombination von Frontal- und Seitenansicht.

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Auffälligkeiten, wie eine flächige Darstellungsweise, der Verzicht auf Perspektive, unpassende Proportionen und groteske Darstellungen, gehören zu einem Kanon des bildnerischen Ausdrucks, der uns in Bildern psychisch kranker Menschen begegnen kann.

Neben Frauenbildnissen malte Vibert gerne Tiere. Kurios kommen diese daher, ungewöhnlich in Form und Farbe mit überraschenden Hervorhebungen der Details. Unwillkürlich muss man bei ihrem Anblick schmunzeln. Vibert selbst war amüsiert von seinen Tierbildern, wenn er diese am Schluss der Sitzung zeigte. „Genug gemalt“, sagte er dann und ging gut gelaunt nach Hause. Stets ging er einen Umweg zurück, er lief gewissermaßen einen Schnörkel auf dem Boden.

In meiner Vorstellung sehe ich August Vibert nochmals auf diesem Weg, und ich denke, wenn er nicht schon so alt gewesen wäre, würde er sicherlich hüpfen, im Rhythmus der Melodie des Namens, mit dem er in seinen letzten Jahren signierte: ViPert PeLiter.

Thomas Schwarm, Diplom-Kunsttherapeut im Alexianer-Krankenhaus

Biografie August Vibert

August Vibert wurde 1922 in Vreden geboren. Nach der achtjährigen Volksschulzeit war er unter anderem auf einem Bauernhof tätig.
Ansonsten ist wenig über seine Kindheit und Jugend bekannt.
1949 kam August Vibert aus der Landesklinik Warstein in den Wohnbereich Haus Kannen, wo er bis zu seinem Tod 2005 lebte.

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