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Tatsächlich kommt in der medizinischen Lehre das Thema vielerorts noch deutlich zu kurz. Dies muss ich auch als Studiendekan der medizinischen Fakultät in Ulm einräumen. So gelungen dieser Beitrag auf der Ebene der Diagnostik ist, weist er doch in Bezug auf Psychodiagnostik, psychische Folgen und Handlungsimplikationen Mängel auf: Das Ende des Artikels zeigt die ganze Problematik an der Schnittstelle zwischen Gesundheitswesen und Jugendhilfe auf, denn effektiver Kinderschutz ist ohne Vernetzung (1) nicht möglich.

Falsch ist die Feststellung, dass es in Deutschland in Fällen von Kindesmisshandlung und Kindesmissbrauch keine Meldepflicht gäbe. Nach der ausführlichen Debatte um extrem problematische Kinderschutzfälle wie bei Kevin und anderen (2) haben die Landesgesetzgeber eine Vielzahl von unterschiedlichen gesetzlichen Regelungen zum Kinderschutz erlassen. Im bayrischen Gesetz ist zum Beispiel eine Meldepflicht formuliert. Das rheinland-pfälzische und baden-württembergische Landesrecht sieht einen Abwägungsvorgang mit Blick auf Garantenpflichten vor, ähnlich wie im Artikel beschrieben. An der Ärzteschaft sind diese Regelungen weitgehend unbemerkt vorbeigegangen. Wir haben bayrische und baden-württembergische Kinderärzte und Hausärzte hierzu empirisch befragt und mussten ein generelles Nichtwissen zur rechtlichen Situation, aber auch zu Rechtsfragen und Handlungsoptionen beim Kinderschutz feststellen (3).

Es ist deshalb zu begrüßen, dass der Bund, wie im Koalitionsvertrag angekündigt, einen zweiten Anlauf genommen hat, hier durch ein Bundeskinderschutzgesetz die gut gemeinte Regelungsvielfalt wieder in geordnete Bahnen zu bringen.

DOI: 10.3238/arztebl.2010.0505a

Prof. Dr. med. Jörg M. Fegert

Universitätsklinikum Ulm

Steinhövelstraße 5

89075 Ulm

E-Mail: Joerg.Fegert@uniklinik-ulm.de

Interessenkonflikt

Der Autor deklariert mögliche Interessenkonflikte durch finanzielle Förderung von Projekten zum Kinderschutz durch den Bund (BMFSFJ), das Zentrum Frühe Hilfen, die Länder Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz und Thüringen sowie die Kommunen Düsseldorf, München und Ulm.

1.
Ziegenhain U, Schöllhorn A, Künster AK, Hofer A, König C, Fegert JM: Modellprojekt Guter Start ins Kinderleben. Werkbuch Vernetzung – Chancen und Stolpersteine interdisziplinärer Kooperation und Vernetzung im Bereich Früher Hilfen und Kinderschutz. Schriftenreihe des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen, 2010.
2.
Fegert JM, Ziegenhain U, Fangerau H: Problematische Kinderschutzverläufe – Mediale Skandalisierung, fachliche Fehleranalyse und Strategien zur Verbesserung des Kinderschutzes. Juventa Verlag 2010.
3.
Knorr CC, Fangerau H, Ziegenhain U, Fegert JM: „Ich rede mit Jugendschutzmenschen über alles, was mir am Herzen liegt.“ Schweigepflicht, Meldepflicht, Befugnisnorm, frühe Hilfen und die verwirrende Rechtslage für Ärzt/inn/e/n bei der Zusammenarbeit mit der Jugendhilfe. Das Jugendamt – Zeitschrift für Jugendhilfe und Familienrecht 2009; 82(7–8): 352–7.
4.
Jacobi G, Dettmeyer R, Banaschak S, Brosig B, Hermann B: Child abuse and neglect: Diagnosis and management [Misshandlung und Vernachlässigung von Kindern – Diagnose und Vorgehen]. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(13): 231–40. VOLLTEXT
1.Ziegenhain U, Schöllhorn A, Künster AK, Hofer A, König C, Fegert JM: Modellprojekt Guter Start ins Kinderleben. Werkbuch Vernetzung – Chancen und Stolpersteine interdisziplinärer Kooperation und Vernetzung im Bereich Früher Hilfen und Kinderschutz. Schriftenreihe des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen, 2010.
2.Fegert JM, Ziegenhain U, Fangerau H: Problematische Kinderschutzverläufe – Mediale Skandalisierung, fachliche Fehleranalyse und Strategien zur Verbesserung des Kinderschutzes. Juventa Verlag 2010.
3.Knorr CC, Fangerau H, Ziegenhain U, Fegert JM: „Ich rede mit Jugendschutzmenschen über alles, was mir am Herzen liegt.“ Schweigepflicht, Meldepflicht, Befugnisnorm, frühe Hilfen und die verwirrende Rechtslage für Ärzt/inn/e/n bei der Zusammenarbeit mit der Jugendhilfe. Das Jugendamt – Zeitschrift für Jugendhilfe und Familienrecht 2009; 82(7–8): 352–7.
4.Jacobi G, Dettmeyer R, Banaschak S, Brosig B, Hermann B: Child abuse and neglect: Diagnosis and management [Misshandlung und Vernachlässigung von Kindern – Diagnose und Vorgehen]. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(13): 231–40. VOLLTEXT

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