ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/2010Arzneimittelwirkungen: Verringern Fibrate das kardiovaskuläre Risiko?

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Arzneimittelwirkungen: Verringern Fibrate das kardiovaskuläre Risiko?

Dtsch Arztebl 2010; 107(28-29): A-1402 / B-1240 / C-1220

Heinzl, Susanne

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Große Studien zur Wirkung von Fibraten auf kardiovaskuläre Risiken hatten uneinheitliche Ergebnisse. In einer Metaanalyse von 18 prospektiven, randomisierten placebokontrollierten Studien mit 45 058 Teilnehmern wurden die Daten zur Wirkung von Fibraten (Bezafibrat,
Clofibrat, Etofibrat, Fenofibrat, Gemfibrozil) auf das kardiovaskuläre Risiko erneut untersucht. Als kardiovaskuläre Ereignisse wurden Koronarereignisse, Schlaganfall, Herzinsuffizienz, koronare Revaskularisationsmaßnahmen, Gesamtsterblichkeit, kardiovaskuläre Sterblichkeit, nichtvaskuläre Sterblichkeit, plötzlicher Tod, neu auftretende Albuminurie und arzneimittelbezogene unerwünschte Wirkungen berücksichtigt. In den 18 Studien waren 2 870 bedeutende kardiovaskuläre Ereignisse, 4 552 Koronarereignisse und 3 880 Todesfälle aufgetreten.

Eine Behandlung mit Fibraten senkte das relative Risiko für bedeutende kardiovaskuläre Ereignisse um zehn Prozent und für Koronarereignisse um 13 Prozent (Tabelle). Die Lipidsenker hatten jedoch weder auf das Schlaganfallrisiko, noch auf die Gesamtmortalität Einfluss. Fibrate reduzierten das Risiko für die Progression einer Albuminurie um 14 Prozent. Schwere unerwünschte Effekte gab es unter Fibraten nicht häufiger, allerdings einen Anstieg des Serumkreatins (p < 0,0001).

Die meisten Studien mit Fibraten wurden allerdings nicht bei gleichzeitiger Behandlung mit Statinen durchgeführt, heute eine weit verbreitete klinische Praxis. Es sei also offen, so Prof. Dr. Klaus G. Parhofer (München), ob der beobachtete Nutzen auch in der derzeit häufigsten klinischen Situation, nämlich in Kombination mit Statinen, nachweisbar ist. Es gebe aber nur wenige Gründe, die gegen einen solchen Nutzen sprechen würden.

Parhofer setzt Fibrate eher zurückhaltend ein. Infrage kommen sie bei Hochrisikopatienten mit schweren kombinierten Fettstoffwechselstörungen als Kombinationspartner zu Statin, allerdings werde die Kombination mit Nikotinsäure tendenziell bevorzugt. Weiterhin zieht er Fibrate bei kombinierten Fettstoffwechselstörungen bei einer Unverträglichkeit von Statinen als Alternative in Betracht. Und schließlich können Fibrate bei Patienten mit schweren Hypertriglyceridämien (eventuell auch kombiniert mit anderen triglyceridsenkenden Ansätzen) eingesetzt werden.

Fazit: Eine Therapie mit Fibraten kann das Risiko für bedeutende kardiovaskuläre Ereignisse insbesondere durch eine Verminderung von koronaren Ereignissen mäßig stark senken. Sie könnten vor allem für Patienten mit kombinierten Dyslipidämien oder hohem Risiko sinnvoll sein. Dr. rer. nat. Susanne Heinzl

Jun M et al. Effects of fibrates on cardiovascular outcomes: systematic review and meta-analysis. Lancet 2010; 375: 1875-85

Bedeutende kardiovaskuläre Ereignisse

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