ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/2010Chirurgie: Heroen werden gebraucht
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Als langjähriger Mitarbeiter von Prof. Broelsch erlaube ich mir, einige Passagen aus dem Interview richtigzustellen beziehungsweise zu ergänzen. So ist der gegen ihn angestrengte Prozess ein Musterbeispiel von Vorverurteilung. Es fängt an mit der ministeriellen Einflussnahme bereits vor der Prozesseröffnung, der Vorverurteilung in der Presse . . . und endet in der durch den Neid einiger Kollegen ausgelösten Kampagne in der eigenen Klinik.

Es stimmt nicht, dass zeitnahe Operationen lebensbedrohlicher Erkrankungen von Geldzahlungen abhängig gemacht wurden. Die Patienten oder ihre Angehörigen bestanden auf der Operation durch Prof. Broelsch selbst.

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Das Thema „ Klima der Angst“ muss ebenfalls angesprochen werden. Der Kollege Bauer verkennt offensichtlich die herausragende Bedeutung der Interdisziplinarität in der Transplantationsmedizin. Die Transplantationsmedizin, wie sie von Prof. Pichlmayr in Hannover initiiert und von Prof. Broelsch in Chicago, dann in Hamburg und zuletzt in Essen fortgeführt wurde, wäre ohne ein kollegiales Verhältnis zu allen Mitarbeitern von vorneherein zum Scheitern verurteilt gewesen. Das Fordern und Fördern – auch mit den angeprangerten Spendengeldern – seiner Mitarbeiter hat bewirkt, dass immerhin neun von ihnen inzwischen an Top-Universitäten leitende Stellungen bekleiden. So viel zum Thema „Klima der Angst“.

Ohne den Mut von Prof. Broelsch, neue Wege zu gehen, wären allerdings die heutigen Erfolge der Lebendspende-Transplantation, die Prof. Broelsch in den USA und in Europa maßgeblich geprägt hat, nicht möglich gewesen. Seinem Mut verdanken inzwischen Hunderte von Erwachsenen und vor allem Kindern ihr Überleben. Wenn man über Prof. Broelsch urteilt, sollte man diese Leistung berücksichtigen.

Der Fortschritt in der Medizin ist eben doch von Heroen abhängig, ohne Heroen verwalten wir nur den jetzigen Stand. Eine Entheroisierung ist nicht immer heilsam!

Prof. Dr. med. Martin Burdelski, Leiter der
Pädiatrischen Transplantation, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel, 24105 Kiel

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