ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/2010Börsebius: Bunt bedrucktes Papier

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Börsebius: Bunt bedrucktes Papier

Dtsch Arztebl 2010; 107(28-29): A-1416 / B-1252 / C-1232

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Viele Anleger finden Gold eigentlich klasse. Sie scheuen aber ein Investment in das Edelmetall, weil das Bunkern im Safe mühsam ist oder bei größeren Summen die Barren richtig sperrig werden können, die Kopfkissenverwahrung kommt ja wohl kaum infrage.

Wo ein Problem ist, da findet die Branche regelmäßig eine adäquate Lösung, der Rubel muss ja schließlich rollen. Und siehe da, sogenannte besicherte Gold-ETFs oder Gold-ETCs sind derzeit total en vogue. Die Finanzmarktkrise und ihr folgende Ängste machen es erst recht möglich, diese Produkte erfolgreich zu vermarkten.

Bei diesen speziellen Exchange Traded Funds oder Exchange Trad- ed Commodities wird das Geld der Anleger durch Hinterlegung von physischem Edelmetall gesichert. Etliche Banken haben bereits solche Zertifikate mit Pfandhinterlegung herausgebracht, die auf den recht putzigen Namen COSI (Collateral Secured Instrument) hören. Verpackung ist schließlich alles.

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Auf großes Interesse stößt auch die Möglichkeit, sich das Pfand, also das Objekt der Begierde, physisch aushändigen zu lassen (so der Kunde will), anfassen ist ja im Zweifel eben doch ein Verkaufsargument. Ein Renner ist deswegen das Produkt „Xetra-Gold“ von „Deutsche- Börse-Commodities“, bei dem jeder Anteil einen Lieferanspruch auf ein Gramm des Edelmetalls verbrieft.

Verbrieft . . . wirklich? So einfach ist die Sache dann doch nicht. Der Auslieferungsanspruch und der tatsächliche Zugriff auf’s Gold sind möglicherweise zwei verschiedene Dinge, vor allem wenn sich die emittierende Bank und der Pfandort in verschiedenen Ländern befinden. Der Anleger kann im Konkursfall durchaus vor der Schwierigkeit stehen, an sein vermeintlich sicheres Pfand zu kommen.

Bleiben wir doch mal bei diesen COSI-Produkten. Dort liegt das Pfand bei der Schweizer zentralen Verwahranstalt SIX SIS. Ein Konkursverwalter aus Deutschland kann schon mal nicht ohne weiteres auf das Pfand zugreifen, sondern hat im Zweifel lediglich einen Ausgleichsanspruch in bar.

Bei den vielverkauften Gold-ETFs lohnt ein Blick ins Kleingedruckte, um sich schön zu gruseln. Beim schweizerischen Bankhaus Julius Bär lässt sich im Fondsprospekt der verblüffende Hinweis nachlesen, daß die Auslieferung des Edelmetalls in „besonderen Fällen“ eingeschränkt sein könne. Und zwar immer dann, wenn währungspolitische oder sonstige behördliche Maßnahmen die Auslieferung des jeweiligen physischen Edelmetalls untersagen oder erschweren. Eine ähnliche Formulierung findet man auch bei der UBS. Na, bravo.

Der Lieferanspruch auf echtes Gold ist im Zweifel also nicht mehr wert als bunt bedrucktes Papier. Anders verpackt heißt noch lange nicht anders. Schon gar nicht sicherer.

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