ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/2010Onkologie: Vorsichtige Hoffnung für Therapie dreifach negativer Brusttumoren

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Onkologie: Vorsichtige Hoffnung für Therapie dreifach negativer Brusttumoren

Dtsch Arztebl 2010; 107(28-29): A-1414

Leinmüller, Renate

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Tastuntersuchung der Brust als Teil von Früherkennungsprogrammen des Mammakarzinoms. Foto: laif
Tastuntersuchung der Brust als Teil von Früherkennungsprogrammen des Mammakarzinoms. Foto: laif

Das Ziel ist es, diese Subformen über molekulare Merkmale zu identifizieren und zu stratifizieren – und die Therapiestrategie danach auszurichten.

Beim dreifach negativen Mammakarzinom ist die Prognose aufgrund der hohen Aggressivität des Malignoms schlecht, wenn bei der Chemotherapie keine komplette pathologische Remission eintritt. Mit Hochdruck arbeiten Forscher und Kliniker an optimierten Chemotherapieverfahren (Wirkstoffe und Sequenz) und dem Einsatz neuer Substanzen wie Poly-(ADP-Ribose) Polymerase-1-Inhibitoren (PARP), EGF-Rezeptor-Hemmern (Epidermal Growth Factor), Multityrosin-kinase-Inhibitoren und antiangiogenetischen Substanzen.

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Circa 15 bis 25 Prozent der Mammakarzinome weisen weder Estrogen- noch Progesteron-Rezeptoren auf und auch keine HER2-Überexpression (triple negatives Mammakarzinom, TNBC). TNBC weisen ähnliche Charakteristika wie Basalzell-Mammakarzinome auf, den Genexpressionsanalysen zufolge sind sie jedoch eine heterogene Gruppe. Ziel ist es, solche Subformen anhand der molekularen Merkmale zu identifizieren und zu stratifizieren – und die Therapiestrategie danach auszurichten.

Bei Frauen mit Progression nach Standardchemotherapie scheinen dosisdichte oder -intensivierte Regime vorteilhaft. Eine Therapie der Wahl lasse sich auf Basis klinischer Daten nicht definieren, erklärte Prof. Dr. med. Wolfgang Eiermann (München). Bei Chemosensitivität scheinen Anthrazykline, Taxan- und platinbasierte Substanzen eine zentrale Rolle zu spielen. Aus retrospektiver Sicht werden Taxane plus Cisplatin favorisiert.

Bei der individualisierten Therapie nach molekularbiologischen Subgruppen sind PARP-1-Inhibitoren eine Zielrichtung, die Eiermann als vielversprechend einstufte. Diese Substanzen hemmen die Poly-(ADP-Ribose)Polymerase 1 (PARP-1), ein Enzym, das an der Reparatur von Einzelstrangbrüchen der DNS beteiligt ist. Eine Anhäufung von solchen Strangbrüchen, induziert vor allem durch Chemotherapeutika, löst den Zelltod aus.

PARP-1-Hemmung erscheint vielversprechend

PARP-1 wird in verschiedenen Krebszelllinien (Ovarial-, Bronchial-, Endometrium- und wahrscheinlich auch Kolonkarzinom) überexprimiert. Nach Studien der German Breast Group ist PARP bei allen Subtypen des frühen Mammakarzinoms erhöht und wahrscheinlich als prädiktiver Faktor für das Ansprechen auf eine neoadjuvante Chemotherapie einzustufen.

Am weitesten fortgeschritten in der klinischen Entwicklung ist BSI-201 (Iniparib) bei metastasiertem dreifach negativem Mammakarzinom: In der Phase-II-Studie erhöhte die Substanz in Verbindung mit Gemcitabin und Carboplatin die objektive Ansprechrate signifikant von 16 auf 48 Prozent und das mittlere Gesamtüberleben von 7,7 Monaten bei reiner Chemotherapie auf 12,2 Monate bei zusätzlicher Gabe der Prüfsubstanz. Weder Häufigkeit noch Schweregrad chemotherapie-assoziierter unerwünschter Ereignisse waren in der Kombination wesentlich erhöht, erläuterte der Onkologe. Derzeit läuft Phase III mit 420 metastasierten dreifach negativen Mammakarzinompatientinnen.

Iniparib (BSI-201) wird darüber hinaus in Phase II geprüft bei Ovarial- und Endometriumkarzinomen sowie bei bösartigen Gehirntumoren und Bronchialkarzinomen.

Die Zukunft sieht Eiermann ebenso wie Brigitte Rack (München) in der Ausrichtung der Therapie an den genetischen Subtypen und der Evaluation von prädiktiven Faktoren für das Ansprechen. So scheinen zirkulierende Tumorzellen im peripheren Blut ein unabhängiger früher Prädiktor für das Ansprechen, aber auch für das rezidivfreie Überleben zu sein. Ob die PARP-Expression sich in diesem Sinn nutzen lässt, wird geprüft. Wahrscheinlich dürfte die Zukunft der Therapie von TNBC in einer Kombination dieses Prinzips mit einer Antikörpertherapie liegen, vermutet der Onkologe.

Dr. rer. nat. Renate Leinmüller

Fachpresse-Hintergrundgespräch „Das Triple Negative Mammakarzinom: Herausforderungen und neue Hoffnungsträger“, München, Veranstalter: Sanofi-Aventis

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