ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/2010Komparatistik: Verknüpfung von Medizin und Kultur

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Komparatistik: Verknüpfung von Medizin und Kultur

Dtsch Arztebl 2010; 107(28-29): A-1407 / C-1225

Nizze, Horst

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Bereits zum dritten Mal erscheint ein 2007 begründetes Jahrbuch, das „in einem anthropologischen Zugriff die Repräsentationen von Medizin in Literatur und Künsten zur Diskussion“ stellt, wodurch „Literatur und Künste für den therapeutischen Prozess fruchtbar gemacht werden können“. Das anspruchsvolle Projekt rangiert im Verlagsverzeichnis unter „Komparatistik“, womit nicht nur vergleichende Literaturwissenschaft, sondern auch der fächerübergreifende Vergleich gemeint ist. Die Bände sind gegliedert in (I.) Originalbeiträge, (II.) Essays, (III.) Quellen und (IV.) Rezensionen.

Der dritte Band enthält unter anderen zwei Originalien mit Krankheitsdeutungen bei Thomas Mann (in den „Buddenbrooks“ und frühen Novellen sowie abermals über „Krankheit und Liebe“ in „Der Zauberberg“). Die Essays behandeln den brillanten Cholerabericht von Heinrich Heine aus Paris 1832, „Erzählen der Krankengeschichte bei Viktor von Weizsäcker“ und Alternsbetrachtungen von Martin Walser sowie sechs Schriftsteller-Ärztinnen. Letztere sind (leider) kaum bekannt, so dass folgerichtig im III. Teil „Quellen“ das Werk der Ärztin Annemarie Wettley (1913–1996) umfassend vorgestellt wird. Zwölf Buchbesprechungen zum Jahrbuchanliegen beschließen den informativen Band. Im Vergleich der Vergleiche heben sich die aufgezeigten subtilen medizinischen Bezüge bei Thomas Mann und Heinrich Heine von Martin Walsers „Altmänner“notaten ab. Die vielfältigen Beiträge belegen neuerlich die anregende Verknüpfung von Medizin und Kultur, so dass das aktuelle Buch (und wünschenswerte Folgebände) einen gebührenden Leserkreis haben werden. Horst Nizze

Bettina von Jagow, Florian Steger (Hrsg.): Jahrbuch Literatur und Medizin. Band III. Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2009, 262 Seiten, gebunden, 35 Euro

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