ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/2010Deutscher Ärztetag: Parteipolitische Verzerrungen
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Im Zusammenhang mit der Berichterstattung vom 113. Deutschen Ärztetag, insbesondere mit der Bewertung des Auftritts des Ge­sund­heits­mi­nis­ters und im Nachgang dazu muss sich die Redaktion des DÄ die Kritik gefallen lassen, hier kontrastierend zu den offenbar ansonsten sehr konstruktiven und sachlichen Entscheidungen des Ärztetags selbst einseitige parteipolitische Aussagen gemacht und unangemessen in den Vordergrund gestellt zu haben . . .

Die Schwierigkeiten, die mit Röslers Vorgängerin bestanden, sind von mir gut verstanden worden. Auch ist die Erleichterung nachvollziehbar, endlich mit einem ärztlichen Kollegen im Ministeramt auf mehr Sachverstand und Wertschätzung gegenüber ärztlicher Kompetenz sowie den in der Ärzteschaft vorhandenen Anliegen zählen beziehungsweise hoffen zu können. Soweit kein Dissens.

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Was zu kritisieren ist, ist, dass im DÄ, der „Zeitschrift der Ärzteschaft“, in dieser Anfangsfreude über diesen neuen Shootingstar
im BMG, über die Person, seine individuelle Qualifikation, seinen gepflegten Umgangs- und Kommunikationsstil weitgehend Folgendes ausgeblendet wird: Wie sehr er in seiner Funktion, mit seiner Programmatik und einer speziell seiner Partei momentan anhaftenden halsbrecherischen Zielstrebigkeit die Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich betreibt, also auch der Bevölkerung, der sich ausschnittsweise „die Ärzteschaft“ täglich in Arztpraxen, Krankenhäusern und sonstigen Einrichtungen gegenübersieht, für deren Wohlergehen sie Sorge zu tragen hat.

Sozialpolitik ist auch Gesundheitspolitik – und wenn hier „die Ärzteschaft“ durch ihr Presseorgan andeutungsweise auf eine unkritische Position gegenüber fragwürdiger Klientelpolitik reduziert wird, dann ist dies ein Unding und nicht hinnehmbar. Es liegt einfach der Eindruck nahe, dass in unserem Land die Teile einer besser situierten „Ärzteschaft“ hier parteipolitisch ebenfalls eine Klientel darstellen, die sich durch eine bestimmte Klientelpartei auch besonders gut vertreten fühlt – in eigener Sache. Und dass sich dieser statusorientierte Basisgedanke in unguter Weise durchmischt – oder eben auch nicht – mit dem, was „die Ärzteschaft“ sozialpolitisch eigentlich für Funktionen ausfüllen sollte, nämlich mit ausgleichendem Handeln und viel eigener Solidarität mit denen, die eher in Existenznöten leben und leiden . . .

Dr. med. Rudolf Welteke, 33739 Bielefeld

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