ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/2010Filmkalender: Im Kino andere Welten entdecken

KULTUR

Filmkalender: Im Kino andere Welten entdecken

Dtsch Arztebl 2010; 107(28-29): A-1412

Schuchart, Sabine

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Europäisches Kino der großen Gefühle und ein packender US-Thriller – das Deutsche Ärzteblatt stellt alle vier Wochen eine Auswahl sehenswerter Neustarts vor.

Thriller/Science Fiction

Ab 29. Juli:

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Foto: Warner Bros. Ent.
Foto: Warner Bros. Ent.

Inception

Dank modernster Technologie ist es in Zukunft möglich, in Träume und in das Unbewusste einzudringen. Das bedeutet, dass man Menschen manipulieren und ihre ureigensten Ideen stehlen kann. Ein Meisterdieb auf diesem Gebiet und Anführer einer technisch bestens ausgerüsteten Bande ist Dom Cobb (Bild: Leonardo DiCaprio), der den aufstrebenden Manager Fischer (Cillian Murphy) dazu bewegen soll, seine künftige Firma aufzusplitten. Cobb ist aber nicht nur glücklich mit seinem Job und seiner Begabung. Er hat alles verloren, was er einst liebte. Auf der ganzen Welt wird nach ihm gefahndet. Doch er hat jetzt die Möglichkeit, alles zu ändern. „Inception“ stellt nicht nur unsere Erfahrungen und Sehgewohnheiten auf den Kopf. Er ist auch ein komplexer Thriller mit guten Schauspielern: neben DiCaprio und Murphy Michael Caine, Marion Cotillard, Joseph Gordon-Levitt, Ellen Page und Ken Watanabe.

USA/Großbritannien 2010, 142 Min. (FSK: 16)

Komödie

Ab 29. Juli:

Das Konzert

Radu Mihaileanus („Geh und lebe“) Tragikomödie über ein einst berühmtes Orchester war in Frankreich ein großer Publikumserfolg. Andrej Filipov feierte früher als Dirigent des Bolschoi-Ensembles Triumphe. Inzwischen 50 Jahre alt, arbeitet er immer noch am selben Haus – heute jedoch als Putzmann. Unter Breschnew verlor er seinen Job, weil er seine jüdischen Mitarbeiter nicht entlassen wollte. Eines Tages fällt ihm zufällig ein Fax des Pariser Théâtre du Châtelet in die Hände. Der Direktor sucht Ersatz für die indisponierten Philharmoniker aus San Francisco. Filipov beschließt, sein Orchester in alter Besetzung wieder aufleben zu lassen. Eine Hymne an die Musik und unsere sentimentalen Gefühle.

Frankreich u. a. 2009, 122 Min.

DRAMA

Ab 5. August:

Me Too

Warmherzig und humorvoll geht es auch in dem bewegenden spanischen Liebesfilm zu, der den Untertitel „Wer will schon normal sein“ trägt: Daniel (Pablo Pineda), ein hochtalentierter Mann mit Down-Syndrom, und Laura (Lola Dueñas) versuchen trotz aller Vorurteile und Widerstände, ihre Beziehung zu leben. Der Sozialpsychologe in Sevilla hat sich in seine Kollegin verliebt, eine allseits begehrte, sehr attraktive Blondine. Die akzeptiert Daniel, der mit einem Chromosom zuviel auf die Welt gekommen ist, zunächst als guten Freund und nur sehr zögerlich als sexuellen Partner. Dass auf der Leinwand kein Kitsch entsteht, sondern eine menschliche Geschichte zwischen befreiendem Lachen und leiser Traurigkeit, ist neben den Darstellern („Goya 2010“ für Lola Dueñas) den Regisseuren Antonio Naharro und Alvaro Pastor zu verdanken. Sie thematisieren Daniels Behinderung zwischen großer emotionaler Einsamkeit und sexuellen Tabus.

Spanien 2009, 103 Min.

Ab 12. August:

Foto: Arsenal
Foto: Arsenal

Mademoiselle Chambon

Das Thema, die Liebe zwischen einem verheirateten Mann und einer allein- stehenden Frau, ist nicht gerade originell, die Umsetzung dafür subtil und berührend. Véronique Chambon (Sandrine Kiberlain) und Jean (Vincent Lindon) – Bild oben – haben nichts gemeinsam: Sie ist Lehrerin, er Maurer. Dennoch verlieben sie sich. Durch ihr Violinenspiel entdeckt der an Kultur nicht Interessierte die Musik. Ruhig und angenehm zurückhaltend schildert Regisseur Stéphane Brizé die zerbrechliche Beziehung zwischen zwei Menschen, die sich verpasst haben.

Frankreich 2009, 101 Min.

Sabine Schuchart

DVD-Tipp

Die Lehren des tibetischen Buddhismus

Sogyal Rinpoche gehört wie der Dalai Lama zur letzten Generation von bedeutenden buddhistischen Lehrern, die noch in Tibet geboren wurden und im Westen – er studierte in Cambridge vergleichende Religionswissenschaften – verwurzelt sind. Die in Text und Bild anspruchsvolle Doku zeichnet sein Leben nach und erklärt die Essenz buddhistischer Lehren. Man taucht ein in die Stätten von Rinpoches Kindheit in Tibet und folgt ihm ins Exil nach Sikkim mit großartigen Aufnahmen der dortigen Tempel. Der Meditationsmeister, dessen in 30 Sprachen erschienener Bestseller „Das tibetische Buch vom Leben und vom Sterben“ in medizinischen Einrichtungen intensiv genutzt wird, hat auch eine dunkle Seite in seiner Biografie: 1994 wurde er auf Schadensersatz wegen Sex mit Studentinnen verklagt, die Klage später vor Gericht abgewiesen. Dennoch: Sehr sehenswert.

Boris Penth: „Mitgefühl, Weisheit und Humor. Sogyal Rinpoche“, 89 Min., J. Kamphausen Verlag; 22,95 Euro; Erscheinungstermin: 8. Juni 2010.
Bezug über Internet, Buch- oder Fachhandel.

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