ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/2010Typ-2-Diabetes: Paradigmenwechsel bei der Blutdruckkontrolle

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Typ-2-Diabetes: Paradigmenwechsel bei der Blutdruckkontrolle

Dtsch Arztebl 2010; 107(28-29): A-1401 / B-1239 / C-1219

Vetter, Christine

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Eine sehr strikte Blutdruckkontrolle senkt bei Typ-2-Diabetikern nicht die Rate kardiovaskulärer Ereignisse, wie die ACCORD-Studie (Action to Control Cardiovascular Risk in Diabetes blood pressure trial) belegt. In der Studie wurden 4 733 Typ-2-Diabetiker entsprechend dem Standard behandelt (Blutdruckzielwert: < 140 mmHg systolisch) oder die Behandlung intensiviert (Zielwert: < 120 mmHg systolisch). Der primäre Endpunkt setzte sich zusammen aus der Rate nichttödlicher Myokardinfarkte und Schlaganfälle und kardiovaskulär bedingter Todesfälle. Die mittlere Beobachtungszeit betrug 4,7 Jahre.

Die Blutdruckzielwerte wurden erreicht: Sie lagen bei Standardtherapie nach einem Jahr durchschnittlich bei 133,5 mmHg, bei intensivierter Behandlung bei 119,3 mmHg. Die Rate kardiovaskulärer Komplikationen betrug im ersten Jahr 1,87 (intensivierte Behandlung) und 2,09 Prozent (Standardtherapie) und unterschied sich damit nicht signifikant (HR 0,88, 95 Prozent CI 0,73–1,06, p = 0,20). Die Gesamttodesrate lag bei 1,28 und 1,19 Prozent pro Jahr zugunsten der Standardtherapie (HR 1,07, 95 Prozent CI 0,85–135, p = 0,55), und auch die Rate kardiovaskulärer Todesfälle war mit 0,52 Prozent pro Jahr bei intensivierter Therapie keinesfalls günstiger als bei konventioneller mit 0,49 Prozent (HR 1,06; 95 Prozent CI 0,74–1,52, p = 0,74).

Auch bei den sekundären Endpunkten gab es keine signifikanten Unterschiede – mit Ausnahme des Schlaganfalls mit einer jährlichen Rate von 0,32 (intensivierte Therapie) gegenüber 0,53 (Standard) Prozent (HR 0,59, 95 Prozent CI 0,39–0,89, p = 0,01). Allerdings gab es in der intensiviert behandelten Gruppe signifikant mehr schwere Nebenwirkungen (3,3 versus 1,3 Prozent).

Fazit: Bei Typ-2-Diabetikern wirkt sich eine Blutdrucksenkung bis in den niedrig normalen Bereich nicht günstig auf die kardiovaskuläre Ereignisrate aus. Priv.-Doz. Dr. Friedhelm Späh von der Helios-Klinik in Krefeld kommentiert: Bei der Blutdruckkontrolle von Typ-2-Diabetikern vollziehe sich derzeit ein Paradigmenwechsel: Passé sei nach Vorliegen der ACCORD-Daten die Zielvorgabe „the lower the better“. Es bleibe auf Basis der aktuellen Daten deshalb vorerst beim Ziel einer Senkung des Blutdrucks unter 135 mmHg systolisch bei Typ- 2-Diabetikern. Christine Vetter

The ACCORD Study Group: Effects of intensive blood-pressure control in Type 2 Diabetes Mellitus. NEJM 2010; 362: 1575–85.

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