ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/2010Randnotiz: Wende bei der Leichenschau?

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Randnotiz: Wende bei der Leichenschau?

Dtsch Arztebl 2010; 107(28-29): A-1379 / B-1219 / C-1199

Siegmund-Schultze, Nicola

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Die Ge­sund­heits­minis­ter­kon­fe­renz (GMK) unterstützt Pläne, die äußere Leichenschau zu verbessern. Spätestens seit einer Dunkelfeldschätzung aus dem Jahr 1997 ist offenbar, wie eklatant die Mängel sind: Jährlich wird die Todesart bei 11 000 bis 22 000 Menschen als „natürlich“ klassifiziert, obwohl ein unnatürlicher Tod vorliegt, darunter 1 200 bis 2 400 Tötungen. Bei ihrer Hauptkonferenz hat die GMK die Arbeitsgemeinschaften der Obersten Landesgesundheitsbehörden damit beauftragt, Reformvorschläge einer Projektgruppe der Justiz-, Innen- und Kultusministerkonferenz zu prüfen. Zu den Vorschlägen gehört, die Leichenschau zu „professionalisieren“, indem sie in die Hände speziell ausgebildeter Ärzte gelegt wird mit Anbindung an Gesundheitsämter oder an forensische Institute der Universitäten. Klinik- oder Hausärzte würden dann den Tod feststellen, nicht aber Todesart und -ursache. Das würde sie entlasten von Konflikten, die im Spannungsfeld zwischen Angehörigen, der Polizei und dem Arzt selbst als „Anwalt des Toten“ entstehen können.

Es wäre eine Wende zum Positiven. Sie ließe sich aber nur realisieren, wenn man – anders als bisher – in den „letzten Dienst am Menschen“ auch investiert und Strukturen aufbaut: Flächendeckend Dienste für circa 844 000 Tote jährlich rund um die Uhr zur Verfügung zu stellen, wird Geld kosten. Ebenso der Wiederaufbau der Rechtsmedizin an den Universitäten, die die Fortbildung, eine notwendige Qualitätskontrolle und den Mehraufwand an Obduktionen leisten müssten. Denn nur, wenn sich auch die Rate der inneren Leichenschau erhöht, wird sich das Dunkelfeld falsch angegebener Todesarten und -ursachen inklusive übersehener Tötungen erhellen lassen.

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