ArchivDeutsches Ärzteblatt30/2010Energieverbrauch bei Lähmung vermindert
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Bei den durch eine angeborene Querschnittslähmung infolge Spina bifida behinderten Kindern und Jugendlichen ist Adipositas ein häufiges, aber schwer zu therapierendes Symptom, wie es in der Arbeit zutreffend dargelegt wird. Auf einige besondere Aspekte dieser Patienten soll hingewiesen werden:

Zur Diagnostik wird üblicherweise der Body-Mass-Index verwendet. Hier ergibt sich bei Spina bifida-Patienten das Problem, dass durch Skoliose/Kyphose, Beugekontrakturen und hypotrophe Beine eine geringe Körperlänge resultiert, so dass ein falsch hoher BMI errechnet wird. Deshalb sollte bei diesen Patienten die Armspannweite statt der Körperlänge verwendet werden (1).

Die Lähmungshöhe und damit die Bewegungsfähigkeit beeinflussen die Prävalenz der Adipositas: In der Seattle-Kohorte bei einer Lähmungshöhe von L1 26 Prozent adipöse Patienten, bei L2/3 17 Prozent [David Shurtleff, persönliche Mitteilung].

Die Schluckstörung infolge Arnold Chiari Malformation Typ II kann zu Überfütterung führen, weil jede Nahrungszufuhr in der frühen Säuglingszeit sich als schwierig erwiesen hatte und bei oft nachlassender Symptomatik mit derselben Intensität weiter gefüttert wird.

Dabei ist das Übergewicht nicht nur ein ästhetisches, sondern auch ein ernsthaftes medizinisches Problem: Körperpflege und Katheterisieren werden erheblich erschwert. Eine Adipositas beeinflusst die Gehfähigkeit vor allem bei hochlumbalen Läsionen negativ (2).

Oft wird falsch eingeschätzt, dass der Ruhe-Energieverbrauch bei Spina-bifida-Patienten aufgrund der Lähmung und der verminderten Muskelmasse nur 60 bis 70 Prozent des Verbrauchs vergleichbarer gesunder Kinder beträgt. Dabei haben auch adipöse Spina bifida-Kinder eine niedrigere Kalorienzufuhr als die Recommended Daily Allowances (3), eine Spastizität dagegen erhöht den Energieverbrauch.

Weder über die Erfolge einer Ernährungstherapie noch des anaeroben Trainings bei Spina-bifida-Patienten gibt es ausreichende Daten in der Literatur.

DOI: 10.3238/arztebl.2010.0541a

PD Dr. med. Reinhold Cremer

Kliniken der Stadt Köln gGmbH

Kinderkrankenhaus

Klinik für Kinder- und Jugendmedizin

Spina bifida Ambulanz

Amsterdamer Straße 59

50735 Köln

E-Mail: CremerR@kliniken-koeln.de

Interessenkonflikt

Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.

1.
Trollmann R, Dörr HG, Strehl E, Katalinie A, Beyer R, Wenzel D: Growth and pubertal development in patients with meningomyelocele: a retrospective analysis. Acta Paediatr 1996; 85: 76–80. MEDLINE
2.
Asher M, Olson J: Factors affecting the ambulatory status of patients with spina bifida cystica. J Bone Joint Surg Am 1983; 65: 350–6. MEDLINE
3.
Fiore P, Picco P, Castagnola E, et al.: Nutritional survey of children and adolescents with myelomeningocele (MMC): overweight associated with reduced energy intake. Eur J Pediatr Surg 1998(Suppl 1): 34–6. MEDLINE
4.
Reinehr T, Dobe M, Winkel K, Schaefer A, Hoffmann D: Obesity in disabled children and adolescents: An overlooked group of patients [Adipositas bei behinderten Kindern und Jugendlichen: Eine therapeutisch vergessene Patientengruppe]. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(15): 268–75. VOLLTEXT
1.Trollmann R, Dörr HG, Strehl E, Katalinie A, Beyer R, Wenzel D: Growth and pubertal development in patients with meningomyelocele: a retrospective analysis. Acta Paediatr 1996; 85: 76–80. MEDLINE
2.Asher M, Olson J: Factors affecting the ambulatory status of patients with spina bifida cystica. J Bone Joint Surg Am 1983; 65: 350–6. MEDLINE
3.Fiore P, Picco P, Castagnola E, et al.: Nutritional survey of children and adolescents with myelomeningocele (MMC): overweight associated with reduced energy intake. Eur J Pediatr Surg 1998(Suppl 1): 34–6. MEDLINE
4.Reinehr T, Dobe M, Winkel K, Schaefer A, Hoffmann D: Obesity in disabled children and adolescents: An overlooked group of patients [Adipositas bei behinderten Kindern und Jugendlichen: Eine therapeutisch vergessene Patientengruppe]. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(15): 268–75. VOLLTEXT

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Anzeige