PHARMA

Schmerztherapie: Nach einer Stunde im Liquor

Dtsch Arztebl 2010; 107(30): A-1472 / B-1305 / C-1285

Leinmüller, Renate

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Der selektive COX-II-Hemmer Etoricoxib eignet sich auch für die Akuttherapie von Patienten mit degenerativen Gelenkerkrankungen, denn die Substanz flutet schnell im Plasma und Liquor an und wird langsam eliminiert.

Nichtsteroidale Antiphlogistika (NSAIDs) und Coxibe haben im Behandlungsplan chronischer Gelenkerkrankungen bei moderaten und schweren Schmerzen einen festen Stellenwert. Für Etoricoxib, der jüngsten Substanz zur Therapie von Arthrosen, ist seit kurzem der Beweis erbracht, dass wirksame Konzentrationen in der cerebrospinalen Flüssigkeit erreicht werden. Damit dürfte der selektive COX-II-Hemmer auch bei frühem Einsatz in der Akutsituation einer Chronifizierung entgegenwirken.

Die Ergebnisse der Pilotstudie (Arch Pharmacol. 2010; 381[2]: 127–36) bei Patienten mit Hüftoperation (TEP) hat Prof. Dr. med. Josef Zacher aus München vorgestellt: In einer verblindeten, randomisierten Parallelgruppenstudie erhielten acht Patienten perioperativ (einen Tag nach dem Eingriff) 120 mg Etoricoxib (Arcoxia®), in vier Fällen wurde Placebo verabreicht. Im Plasma konnte eine schnelle Anflutung nachgewiesen werden.

Auch in der cerebrospinalen Flüssigkeit wurden bereits nach einer und zunehmend bis etwa sieben Stunden steigende Konzentrationen nachgewiesen; im Liquor waren noch nach 24 Stunden messbare Spiegel vorhanden. „Das bedeutet, dass Etoricoxib im Rückenmark und Gehirn anflutet und dort ausreichende Spiegel erreicht, um die Prostaglandinsynthese zu hemmen“, so der Orthopäde.

Im Exsudat der Wunddrainage wurden Etoricoxibspiegel etwas verzögert nach zwei Stunden gemessen. Dort fand man am ersten postoperativen Tag hohe Prostaglandin-E2-Spiegel, die in der Placebogruppe in den Folgetagen weiter stiegen. In der Verumgruppe dagegen fielen sie signifikant ab, nachdem wirksame Konzentrationen des Coxibs erreicht waren. Der Effekt der Substanz auf das Schmerzgeschehen, der in dieser Pilotstudie nicht untersucht wurde, ist für Etoricoxib bei Arthrosen, rheumatoider Arthritis, ankylosierender Spondylitis und auch bei Gichtschmerz belegt, wie Zacher anhand verschiedener Studien aufzeigte.

Niedrigst wirksame Dosis für die kürzest notwendige Zeit

Für die tägliche Praxis gilt nach Worten des Orthopäden weiterhin die Maxime, die Behandlung nach Schmerzbedarf sowie gastrointestinalem und kardialem Risiko zu stratifizieren. „Die niedrigst wirksame Dosis für die kürzest notwendige Zeit.“ Im Rahmen der langfristigen Arthrosetherapie ist nach den Erfahrungen des Referenten dabei auch eine Dosierung von 30 mg Etoricoxib ausreichend.

Einen praktischen Tipp für die Akuttherapie steuerte Prof. Dr. med. Dr. Kay Brune (Erlangen) als Pharmakologe bei: Da Etoricoxib schnell anflutet und nur langsam eliminiert wird, verabreicht er am ersten Tag eine Initialdosis von 90 mg. Bereits ab dem zweiten Tag vermindert er die Dosis dann auf 30 mg. Auf diese Wiese erreicht er in den meisten Fällen damit eine suffiziente Schmerzhemmung.

Dr. rer. nat. Renate Leinmüller

MSD-Symposium „Herausforderung Gelenkschmerz – Von der Empfehlung zum individuellen Patienten“ in Frankfurt/Main.

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