ArchivDeutsches Ärzteblatt30/2010Kommentar: Keineswegs überholt
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Die sehr emotionalen, aber leider wenig substantiierten Ausführungen im Kommentar von Prof. Dr. Woitowitz sollen nicht unwidersprochen bleiben. Die der Begutachtung von Berufskrankheiten zugrunde liegenden Kausalitätsnormen sind keineswegs längst überholte Relikte aus der Bismarckzeit, vielmehr folgen sie den Vorschriften des Sozialrechts und damit den Rechtsnormen des geltenden Zivilrechts.

Wie sollen ursächliche Zusammenhänge anders geklärt werden als durch die Prüfung der beurteilungsrelevanten Anschlusstatbestände im konkreten Einzelfall? Die Anerkennung einer Berufskrankheit kann schlechterdings nicht auf bloßen Verdacht hin oder auf Zuruf erfolgen.

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Im Vollbeweis zu sichern ist der gegebenenfalls schädigungsrelevante Gesundheitsschaden. Erst wenn dieser ohne vernünftigen Zweifel nachgewiesen ist, ist im zweiten Schritt zu überprüfen, ob der Gesundheitsschaden tatsächlich Folge einer infrage kommenden beruflichen Exposition ist. Für die positive Feststellung des Ursachenzusammenhangs genügt die überwiegende Wahrscheinlichkeit.

Nehmen wir an, ein Versicherter wird im Alter von 30 Jahren krebserzeugenden Arbeitsstoffen ausgesetzt. Wenn die lebensbedrohlichen Folgen todbringender Berufskrankheiten nach Latenzzeiten von manchmal mehr als 60 Jahren eintreten (Prof. Woitowitz), dann ist der Versicherte 90 Jahre alt. Lässt sich dann noch differenzieren, ob zum Beispiel ein Leberkrebs oder ein Bronchialkarzinom Folge einer möglichen Exposition mit gegebenenfalls todbringenden Arbeitsstoffen oder die Folge von Alternativursachen war? . . .

Dr. med. Helmut E. P. Springer, Institut für
medizinische Begutachtung, 39112 Magdeburg

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