ArchivDeutsches Ärzteblatt30/2010Antiangiogenese beim Mammakarzinom: Dämpfer für Antikörper

AKTUELL: Akut

Antiangiogenese beim Mammakarzinom: Dämpfer für Antikörper

Dtsch Arztebl 2010; 107(30): A-1430 / B-1266 / C-1246

Gulden, Josef

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Ein externes Gutachtergremium hat der US-amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) empfohlen, die vor zweieinhalb Jahren ausgesprochene beschleunigte Zulassung des Antikörpers Bevacizumab (Avastin®) zur First-line-Therapie des fortgeschrittenen Mammakarzinoms zurückzunehmen – aufgrund der Resultate zweier klinischer Studien, die hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind.

Der Angiogenesehemmer Bevacizumab ist seit März 2007 in Europa und seit 22. Februar 2008 in den USA zur Therapie des metastasierten Mammakarzinoms zugelassen. Grundlage waren die Ergebnisse einer randomisierten Studie der Eastern Cooperative Oncology Group gewesen (E2100; NEJM 357; 2007: 2666–7), in der die Zugabe von Bevacizumab zu Paclitaxel das progressionsfreie Überleben (PFS) etwa verdoppelt hatte. Das externe Oncology Drug Advisory Committee (ODAC) der FDA hatte bereits damals kritisiert, dass sich das PFS, nicht jedoch das Gesamtüberleben (OS) verlängert hatte, dass es zu erheblichen Toxizitäten unter der Verumtherapie gekommen war und zu Todesfällen, die in der Publikation zur Studie keine Erwähnung fanden.

Der Hersteller Genentech hat nun die endgültige Zulassung mit zwei weiteren randomisierten Studien beantragt (AVADO, RIBBON1), ist sich in deren Interpretation aber mit dem ODAC wieder nicht einig: Genentech schätzt sie positiv ein und hält eine volle Zulassung für begründet. Das ODAC kritisiert in seiner Empfehlung für die FDA, dass die Verbesserung des PFS in beiden Studien bei lediglich 30 Prozent (AVADO) beziehungsweise 36 Prozent (RIBBON1) und damit deutlich niedriger lag als in der E2100-Studie. Hingegen seien in beiden Untersuchungen erheblich mehr schwere Nebenwirkungen in den Bevacizumab-Armen beobachtet worden. Die Daten für das OS zeigten wiederum keinen Vorteil, sondern teilweise sogar einen Nachteil für die Bevacizumab-Gruppen (nicht signifikant). Beide Studien seien methodisch gut gemacht, heißt es. Klinisch bedeutsam sei aber vor allem die Größenordnung des Vorteils beim PFS, „weil sie ein Maß für die Verzögerung von Symptomen aufgrund der Tumorprogression ist und gegen die Toxizität abgewogen werden muss, die über die Dauer der Behandlung auftritt“. Das Risiko-Nutzen-Verhältnis der Zugabe von Bevacizumab zur Standard-Chemotherapie in beiden Studien sei „als nicht vorteilhaft anzusehen“. Die FDA ist an das Gutachten nicht gebunden. Die europäische Zulassungsbehörde prüft derzeit die zusätzlichen Daten. Josef Gulden

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema