ArchivDeutsches Ärzteblatt30/2010Endoskopisches Darmkrebsscreening: Einmalige Sigmoidoskopie verringert Krebsmortalität

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Endoskopisches Darmkrebsscreening: Einmalige Sigmoidoskopie verringert Krebsmortalität

Dtsch Arztebl 2010; 107(30): A-1460 / B-1294 / C-1274

Gulden, Josef

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Etwa ein Viertel der deutschen Bevölkerung entwickelt kolorektale adenomatöse Polypen. Circa zwei Drittel dieser Adenome und der dar- aus potenziell entstehenden Karzinome sind im Rektum und Sigma lokalisiert. Britische Forscher haben den Einfluss einer einmaligen flexiblen Sigmoidoskopie auf die Sterblichkeit und Entwicklung von Dickdarmkrebs untersucht.

In 14 Zentren wurden mehr als 170 000 Probanden im Alter von 55 bis 64 Jahren eingeschlossen und randomisiert: zwei Drittel in eine Kontrollgruppe, ein Drittel in eine Gruppe, die ein Mal eine flexible Sigmoidoskopie erhalten sollte. Fanden sich dabei Polypen, wurden sie entfernt. Lagen Hochrisiko-Läsionen (Kriterien: ≥ 10 mm, > 2 Adenome, tubulovillöse oder villöse Histologie) vor, schloss sich eine komplette Kolonoskopie an.

In einem medianen Nachbeobachtungszeitraum von 11,2 Jahren wurden in der Intention-to-treat-Analyse in der Sigmoidoskopie-Gruppe 23 % weniger Kolorektalkarzinome diagnostiziert (Hazard Ratio 0,77; 95%-Konfidenzintervall 0,70–0,84). Die Mortalität an kolorektalen Karzinomen war in der Endoskopie um 31 Prozent niedriger (HR 0,69; 95%-KI 0,59–0,82). In der Per-Protokoll-Analyse, die nur die 71 % der Probanden berücksichtigte, die tatsächlich sigmoidoskopiert wurden, waren die Abnahmen mit 33 % beziehungsweise 43 % noch ausgeprägter. Die Inzidenz von Karzinomen im Rektum und Sigma wurde um 50 % reduziert. Um die Diagnose eines Karzinoms zu verhindern, mussten 191 Probanden untersucht werden („Number-needed-to-be-screened“; 95%-KI 145–277); für die Verhinderung eines Todesfalls lag die Zahl bei 489 (95%-KI 343–852).

Fazit: Die Studie zeigt erstmals prospektiv randomisiert den Nutzen endoskopischer Screeningmethoden bei der Darmkrebsvorsorge mit einer Senkung von Mortalität und Darmkrebsinzidenz. Sie schließe damit eine Lücke, so Dr. Christian Pox und Prof. Dr. med. Wolf Schmiegel (beide Bochum). Der positive Effekt wäre vermutlich bei regelmäßiger Sigmoidoskopie (zum Beispiel alle 5 Jahre) statt einmaliger noch größer gewesen.

Man sollte jetzt in Deutschland nicht die Koloskopie durch die Sigmoidoskopie ersetzen, denn deren protektiver Effekt war erwartungsgemäß auf die einsehbaren distalen Abschnitte beschränkt, so Pox und Schmiegel. Von den 44 % der Karzinome in der Screeninggruppe, die proximal des Sigmas lagen, wurden weniger als 5 % bei der Vorsorge entdeckt. Hier ist die Koloskopie klar im Vorteil, zumal wenn durch flächendeckende Maßnahmen, wie sie im Rahmen der Einführung der Vorsorgekoloskopie in Deutschland implementiert wurden, eine hohe Untersuchungsqualität gewährleistet wird. Josef Gulden

Atkin WS et al.: Once-only flexible sigmoidoscopy screening in prevention of colorectal cancer: a multicentre randomised controlled trial. Lancet 2010; 375: 1624–33.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema