ArchivDeutsches Ärzteblatt30/2010Gesundheitskommunikation: Internet wichtigster Infokanal

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Gesundheitskommunikation: Internet wichtigster Infokanal

Dtsch Arztebl 2010; 107(30): A-1465 / B-1299 / C-1279

Krüger-Brand, Heike E.

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Neben der Information über Gesundheitsthemen gewinnen der Austausch und der Dialog an Bedeutung für die Internetnutzer.

Wenn es um Kommunikation und Information zu Gesundheitsthemen geht, stehen das Internet und soziale Medien als Informationskanäle inzwischen an erster Stelle. Fast die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland informiert sich aktiv online. Für das Internet spricht aus Sicht der Nutzer vor allem, dass Informationen dort jederzeit und in der Regel kostenfrei und anonym zugänglich sind. Das größte Vertrauen genießen dabei Internetangebote von Ärzten. Das sind Ergebnisse einer repräsentativen Befragung, die das Marktforschungsinstitut Skopos im Auftrag der Agenturgruppe MS&L im Mai 2010 durchgeführt hat (abrufbar unter www.virtuelles-wartezimmer.de). Die Gesundheitsstudie gibt Aufschluss darüber, wie sich Bürger und Patienten über Gesundheit informieren und was sie von Informationsangeboten erwarten.

Nach der Studie ist das Internet für Männer und Frauen gleichermaßen und über alle Altersgruppen und Bildungsschichten hinweg die wichtigste Informationsquelle zu Gesundheitsfragen. Rund 79 Prozent der Befragten gaben an, sich online zu Gesundheitsfragen zu informieren. Mit großem Abstand folgen Printmedien (62 Prozent) und das Fernsehen (61 Prozent) vor Ärzten (59 Prozent), Freunden (57 Prozent) und Apothekern (47 Prozent). Menschen mit hohem Bildungsgrad stehen den Gesundheitsinformationen im Internet generell kritischer gegenüber. Ebenso vertrauen Männer den Online-Informationen weniger als Frauen.

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Chroniker suchen bevorzugt den Austausch mit anderen

Für die überwiegende Mehrheit der Befragten steht bei der Nutzung die Recherche nach Fakten im Vordergrund: 93 Prozent surfen, um Informationen und Daten zu Krankheiten zu finden. 86 Prozent suchen nach Informationen zu Medikamenten, und 82 Prozent versprechen sich Rat und Hilfe bei gesundheitlichen Problemen. Rund ein Drittel der Nutzer bringt sich aktiv ein: 34 Prozent nutzen das Internet zum Austausch mit anderen Betroffenen zu Gesundheitsfragen, darunter vor allem chronisch kranke Menschen. Bei dieser Gruppe zeige sich auch eine große Bereitschaft, ihr Verhalten einer veränderten Informationslage anzupassen, lautet ein Fazit der Studie.

Aktuell, fundiert, vielfältig, übersichtlich und unabhängig – so sollten Internetangebote zum Thema Gesundheit aus Sicht der Befragten sein. Am meisten vertrauen die Surfer dabei den Websites von Ärzten (58 Prozent), Krankenkassen und Gesundheitsportalen (jeweils 57 Prozent), Patientenorganisationen (52 Prozent) und gemeinnützigen Organisationen (51 Prozent). Am Ende der Vertrauensskala stehen die Webangebote von Pharmaunternehmen (27 Prozent), Gesundheitsblogs (30 Prozent) und Foren (40 Prozent).

Kommunikation wird inhaltlich anspruchsvoller

Bislang stellen die Informationssuche und das Beobachten von Foren die hauptsächlichen Nutzungsstrategien für die Mehrheit der Befragten dar, die Möglichkeiten des Web 2.0 werden somit noch längst nicht ausgeschöpft. Mittelfristig werden jedoch soziale Medien im Zentrum der Gesundheitskommunikation stehen, sind die Autoren der Studie überzeugt. Die Kommunikation in der Gesundheitsbranche werde künftig schneller, komplexer und in der Verbraucherkommunikation inhaltlich anspruchsvoller und die Zielgruppen zugleich differenzierter. Glaubwürdigkeit und Transparenz seien der Schlüssel zum Erfolg in der Gesundheitskommunikation, simple Werbebotschaften etwa würden in sozialen Netzen schnell entlarvt.

Heike E. Krüger-Brand

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