ArchivDeutsches Ärzteblatt30/201041. Art Basel: Ein zwiespältiger Eindruck

KULTUR

41. Art Basel: Ein zwiespältiger Eindruck

Dtsch Arztebl 2010; 107(30): A-1469 / B-1303 / C-1283

Jaeschke, Helmut

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Kunst auch draußen – Oskar Tuazon, Holzwerk, Dad, 2010
Kunst auch draußen – Oskar Tuazon, Holzwerk, Dad, 2010
Löste Irritationen aus – Billy Childish
Löste Irritationen aus – Billy Childish
Installation – Galerie Zwirner/Dan Flavin
Installation – Galerie Zwirner/Dan Flavin
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Schokoladenobjekte – Galerie Hauser Paul McCarthy. Fotos: Courtesy of Art Basel
Schokoladenobjekte – Galerie Hauser Paul McCarthy. Fotos: Courtesy of Art Basel

Nicht nur die Finanzmärkte, sondern auch die Kunst befindet sich möglicherweise in einer Krise.

Die 41. Art Basel wurde in der Presse durchweg als Erfolg gefeiert. Die Besucherzahlen der vorangegangenen Messe waren erneut übertroffen worden, und auch die Preise waren wieder da, wo sie 2007 waren. Doch man muss die Dinge etwas differenzierter sehen. Schon die Auktionen des Frühsommers hatten weltweit einen Einbruch der Verkaufserlöse bei bisher hoch gehandelten Zeitgenossen wie Jeff Koons und Damien Hirst gezeigt, und von diesem Trend wurde auch die Art Basel nicht verschont. Das durchaus interessante große Gemälde von Neo Rauch aus dem Jahr 2002 bei David Zwirner, New York, fand für 1,5 Millionen US-Dollar ebenfalls keinen Abnehmer, und ebenso interessierte sich niemand für das frühe Interieur-Bild von Matthias Weischer bei der Galerie Krugier (600 000 Euro). Höchst erfolgreich war dagegen der Galerist Jörg Maass aus Berlin, mit marktfrischen Werken von Max Beckmann aus einer New Yorker Privatsammlung, und der Preis von 1,2 Millionen Euro für das faszinierende Gemälde „Kriechende“ von 1930 (aus Beckmanns bester Zeit) mutet im Vergleich zu den für Baselitz, Rauschenberg oder Warhol geforderten Preisen moderat an.

Während bekannte Großsammler sich am Stand von Hauser + Wirth weiterhin für die Objekte von Paul McCarthy interessierten, hat der Inhaber des benachbarten Messestandes der „Galerie m“ einen anderen Weg eingeschlagen und eine Privatsammlung alter Niederländer aufgebaut. Auf der Art Basel war er wie immer mit Richard Serra vertreten, dessen monumentale Stahlplastiken er weltweit erfolgreich vermarktet.

Durchaus verständlich war die Enttäuschung so mancher Sammler, die auf der Messe feststellen mussten, dass Künstler, von denen sie zu Boomzeiten Werke teuer gekauft hatten, inzwischen kaum mehr gefragt waren. So wunderte es nicht, dass man wiederholt von der Absicht hörte, in Zukunft lieber in junge Positionen auf den Nebenmessen Liste, Scope und Volta zu investieren und bei niedrigen Preisen um 3 000 Euro junge Künstler zu unterstützen.

Irritationen bis hin zu bissigen Kommentaren löste die Soloausstellung von Billy Childish (eigentlich William Charlie Hamper) bei der Galerie Neugerriemschneider aus. Der 50-jährige englische Rockmusiker malt seine plumpen Munch- und Van-Gogh-Adaptationen in jeweils weniger als einer Stunde. Dennoch hieß es vonseiten der Galerie, alle Arbeiten seien zu Preisen von 5 000 bis 24 000 Euro verkauft worden. Da fragte man sich, wo die sonst so bewährte Qualitätskontrolle der Messeleitung geblieben war.

Alles in allem lässt sich trotz erneuten Besucherrekords und vieler zufriedener Händlerstimmen ein zwiespältiges Resümee der 41. Art Basel ziehen. Häufig war davon die Rede, dass sich nicht nur die Finanzmärkte, sondern auch die Kunst in einer Krise befände. Wenn dem so wäre, bliebe abzuwarten, wohin sie sich entwickeln wird. Es ist fraglich, ob in einer Zeit großer beunruhigender Umwälzungen die postmoderne ironische Kunst oder die unverbindliche autonome Malerei befreiend wirken können. Allerdings gilt ohnehin die Kunst heutzutage als überfordert, wenn man von ihr inhaltliche Angebote und Orientierung erwartet. Die Künstlerin Käthe Kollwitz, die „wirken wollte in ihrer Zeit“, würde mit diesem ihrem Anspruch heute auf Unverständnis stoßen. Die 42. Art Basel findet vom 15. bis 19. Juni 2011 statt.

Helmut Jaeschke

@Weitere Informationen:
www.artbasel.com

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